Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-498846
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Buch ll. Kap. 3. 
den folgenden keiner mehr, weder Lodovico Dolce (1508-73), der in 
feinen Komödien (-)Ragazzoc, )Rut"tiano(-, ))Fabrizia(c) so zu sagen das 
Unmögliche leistete, indem er seinen Meister Aretino an Unzüchtigkeit über- 
traf, noch Francesco d"Ambra, noch Giammaria Cerchi, noch 
Francefco Grazzini u. a. m. Des berühmten Philosophen Giordano 
Bruno (verbrannt zu Rom 1600) Komödie ,,Der Lichtzieher (i1 candelajo)", 
welche den Aberglauben, die alchymistifchen und nekromantischen Albernheiten 
geißelt, legt rühmliches Zeugniß ab von dem Phantasiereichthum und der 
hWihkraft seines Verfassers, welcher diese Gaben auch in seiner satirifchen 
Allegorie -)Spaccio della bestia trionfante(( bewährte; nicht weniger aber 
bezeugt das Stück die kolossale Schamlofigkeit der italischen Ko1nik. 
Giordano Bruno, der tiefsinnige Pantheist mit dem liebeglühenden 
Herzen, ist eines der edelsten und bedauerlichften Opfer der Jnquisition; 
man hat ihn mit Recht den ,,philosophischen Genius" Italiens genannt, 
denn in keinem seiner Landsleute war das spekulative Organ so ausgebildet 
wie in ihm. Er ist einer der Chorführer jener kühnen italischen Denker 
des IS. Jahrhunderts, welche auf allen Gebieten die Emancipation des Ge- 
dankens anftrebten und meistens auch die Märtyrer dieses Strebens wurden. 
Zu dieser heiligen Schar gehören Bernardino Tilesio (1509-1588)- 
Geronimo Cardano (1501--1576), Lucilio Vanini (geb.1586, 
verbrannt 1619) und Tomaso Campanella (1568-1639), von welchem 
lehteren besonders zu rühmen ist, daß er sich mit einem Problem, welches 
auch unsere Zeit so lebhaft aufregt, mit dem Problem einer socialen Reform 
angelegentlichst beschäftigte und dessen Lösung in seinem von dichterifcher 
Weltanfchauung zeugenden Buch ,,Der Sonnenstaat" (civitas s01is) ver- 
suchte1). Den,Kampf des freien Wissens gegen Wahnglauben und Geistes- 
defpotie, den diese Männer begonnen, spielte der geistvolle Politiker und 
Hiftoriker Paolo Sarpi (1552-1628) auf das specielle Gebiet der Be- 
fehdung päpftlicher Gewaltanmaßung hinüber und bezeichnete durch fein 
klafisches Gefchichtewerk über das tridentiner Koncil (oIsto1-ja del concilio 
Trjdentinoc) den Höhepunkt der Geltung, welche sich- der reformatorische 
Geist jener Zeit in Jtalien zu erringen vermochte. Ein jüngerer Zeitgenosfe 
Sarpils war Galileo Galilei (1564-1642), der unsterbliche Astronom 
und Physiker, der mit feinen Enthüllungen der Gesetze des 1Iniversums das 
17. Jahrhundert so bedeutsam eröffnete. Das berühmte -,Eppur si mu0ve!(c 
welches der müdgeheHte Greis dem durch die Jnquisition erzwungenen 
Widerruf seiner Entdeckungen beigefügt haben soll, gehört zu jenen nicht 
T) Vgl. über die genannten ital. Philofophen: ,,Die philosophische Weltanschauut1g 
der ReformatipnIzeit" von M. Earriere, 1847. Hier finden sich auch zahlreiche ves- 
deutfdhte Proben von Bruno"s und CampanelIa"s Gedichten.
        

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