Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-495368
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Buch I. Kap. Is 
hat uns ein wissender Chinese selber, der General Tfcheng-Ki-Tong, welcher 
längere Zeit in Europa verbrachte, in seinem französisch geschriebenen Buch 
 tl1(5ätre chin0isc( (1886) dankenswerthe Aufschliisse über das Theater- 
wesen seines Vaterlandes gegeben, indem er es mit dem Frankreichs verglich. 
Er sagte unter anderem: ,,Das französische Theater ist zweiselsohne viel 
entwickelter als das unsrige, aber dieses ist älter. Bei uns in China blühte 
die dramatische Kunst, als sie in Frankreich noch nicht exiftirte. Unsere 
Bühneneinrichtungen befinden sich noch auf dem Fuße vergangener Zeiten 
und- huldigen nicht der modernen Mode, unsere Schauspieler erlernen in 
keinem Konservatorium die Kunst, schön zu sprechen, und unsere Schau- 
spielerinnen  es gibt keine." (Die FrauenrolIen werden nämlich aus der 
chinesischen Bühne von Knaben und Jünglingen gespielt.) Weiterhin belehrt 
uns Tscheng-Ki-Tong, daß in China das Drama zu seinem Hauptzweck ,,die 
Förderung der Tugend" habe und daß Schlüpsrigkeit und Zotenhastigkeit 
streng von der Bühne verbannt seien, wobei er und zwar sehr mit Recht 
einen höhnischen Seitenblick aus das französische Theater wirft und zu dem 
Schlusse kommt: ,,Nichts fehlt unserer Bühne, um sich mit der abendländischen 
vergleichen zu können, als  der betrogene Ehemann." 
Die gelehrte Literatur China7s ist zu einem riesigen Umfang ange- 
schwollen. Jn zahllosen Bibliothelen sind naturhistorische, mathematische, 
astronomische und medizinische Bücher aufgestapelt, der encyklopädische Fleiß 
der chinesischen Gelehrten ist unermüdlich und im vorigen Jahrhundert wurde 
der Druck eines Werkes begonnen, welches eine Auswahl der Literatur aus 
alIen Zweigen enthalten und zu 180,000  Bänden anwachsen soll. Sehr 
gerühmt wird die Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit der Chroniken und 
Annalen, welche die Chinesen besihen, und als Historiker stehen unter ihnen 
insbesondere Sse-ma-thsian (um 100 v. Chr.), Sse-ma-tsching (um 
600 n, Chr.) und Sse-ma-kuang (um 1050 n. Ehr.) in Achtung. Die 
Literarhistorie wird im Reiche der Mitte mit großer Vorliebe gepflegt und 
das beliebteste literargeschichtliche Hand- und Hilfebuch, auch von Europäern 
benutzt, ist das von dem gelehrten Ma-twan-lin (um 1300 n. Chr.?) 
verfaßte. Remusat bezeichnet dieses Werk ,,als eine Bibliothek für sich" 
und rühmt die Belesenheit des Verfassers, die Umsicht und den Scharfsinn, 
womit er das ungeheure Material gesichtet und geordnet habe, sowie die 
durchsichtige und knappe Darstellung. 
bis 1333 n. Chr. in China 8l dramatifche Dichter gebläht hätten, welche mitsammen 
564 Städte verfassten.
        

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