Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-498733
auucrannten Hauptwerkes, -1-a uerusatemme 11De1-Ia-: c:-U Gesange) U. 
Zuerst gab er die herkön1mliche epische Manier, die Manier Pulci"s und 
Ariosto"s, welche er in seinem Erstlingswerke befolgt hatte, entschieden auf, 
weil sie seiner Ansicht nach mit der Idee der echtheroischen Dichtung nicht 
harmonirte; sodann schrieb er als Vorbereitung seine drei ,,Discorsi" -über 
die Dichtung, um sich seine Aufgabe theoretisch klar zu machen, bevor er 
an die praktische Lösung derselben ging. Rath  402) hat die Haupt- 
füge dieser Diseorsi über die epische Poesie zusammengestellt und wir be- 
Rügen diese Zusammenstellung auszüglich hier um so lieber, als sie nicht 
nur in Tasso"s Poetik, sondern in die Geschmacksbildnng jener Zeit über- 
haupt einen höchst belehrenden Einblick eröffnet. ..Z11 einem heroischen 
(Spischen) Gedicht," sagt Tasso, ,,sind drei Dinge erforderlich, 1) einen Stoff 
ZU wählen, der die vortrefflichste Kunstform annehmen kann, 2) ihm diese 
Form zu geben, Z) ihn mit den schönsten Ausschmückungen, deren er fähig 
ist, zu bekleiden. Um die Wahrscheinlichkeit, eine der wesentlichsten Eigen- 
sChaften des Epos, zu erzielen, ist es am besten, daß der Stoff aus-der 
Geschichte genommen werde, aber nicht aus der heidnischen Geschichte, weil 
die Einmischung der heidnifchen Religion die Wahrscheinlichkeit umstößt, die 
Weglassung derselben aber das Wunderbare in dem Epos vernichtet. Es 
ist unmöglich, daß von jenen eitlen und wesenlosen Götzen der Alten, die 
niemals waren, Dinge hervorgehen sollten, welche die Natur und menschliche 
Kraft so sehr überschreiten. Das WahrsOeinliche und das Wunderbare 
sind sich fast entgegengesetzt, aber doch ganz wesentliche Eigenschaften in 
einem heroischen Gedicht. -Die Kunst des Dichters besteht darin, sie zu 
verbinden. Der christliche Dichter kann dies nur dadurch, daß er solche 
wunderbare Handlungen Gott, seinen Engeln, den Dämonen oder denen, 
welchen Gott übernatürliche Kräfte zugestanden hat, also den Heiligen, den 
Zauberern und Feen beimißt. Die Wahrscheinlichkeit wird dadurch möglich, 
daß wir von der Wiege an von solchen WnndernNhören. Also der Stoff 
eines neueren ,epischen Gedichts soll nur ein christlicher oder ein jüdischer 
sein. Er darf aber auch nicht aus der heiligen Geschichte genommen sein; 
l) Erste Ausgabe des Originals Venedig 158l, bessere Mantua 1584. Deutsch von 
Gties (1800, 6. Aufl. 1844), von Strecksuß (1822), von Duttenhofer (1840). Die 
übrigen Hauptwerke Tasso"s sind: .Jl Ri11a1do, I-'Aminta (metrisrh ver?-. v. Walter 1794), 
S0netti e can2oni (deutsch von F. Förster, 2. Aufs. 1844), l1 Ton-ism0ndo  Geru- 
salemme conquistata (eine versehlte Umarbeitung seines großen Gedicht?-), Dia1og11i, I-Stiere. 
Wir werden aus mehrere der genannten Schriften noch zu sprechen kommen.
        

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