Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-498088
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Buch ll. Kap. 2. 
lichen, Nervenfolternden sich gefalIenden Jugendarbeiten von Eugene Sue 
(Atar G-u11  PIick et Pl0ck  l-a Salamandre  La Vigie   
C.0mmandeur de Malte) zu einem beliebten Zweige der Novellistik ge- 
worden. Sue (1804-I857) gelangte später durch seine vielbändigen Sitten- 
oder-, wenn man lieber will, Unsittenromane zu einem Weltrufe und zwar 
merkwürdiger Weise nicht etwa durch seine zwei besten, künstlerisch vollendet- 
sten Bücher (Arthur  Mathilde), sondern durch seine ))MystC3res de 
Paris((, seinen ))Martin(( und seinen -s'Juif errant-, Bücher, in welchen die 
weltverpestende Kloake des modernen Babylons mit raffinirter Schadenfreude 
aufgedeckt ist. Als Sue mit seinem. letzten bedeutenderen Werke heroortrat- 
den -pMystc-res du peup1ec, einer im Ganzen trotz der fabelhaften Aus- 
wüchse im Einzelnen großartigen Komposition, war sein Ruf bereits wieder 
im Sinken. Urtheilsfähige haben Sue als Repräsentanten des socialen 
Ron1ans überhaupt jeder Zeit weit tiefer gestellt als Georges Sand, 
unter welchem Namen einer der vorragendsten literarischen Charaktere des 
19. Jahrhunderts vor uns tritt und der unt so mehr eine einläs3lichere Be- 
trachtung in Anspruch nimmt, als sich in ihm alle die verschiedenen Rich- 
tungen und Strömungen der jungfranzösischen Literatur darstellen. 
Jm Jahre 1832 erschien zu Paris ein Buch, welches den anspruchs- 
losen Titel: ,,Jndiana von Georges Sand" führte und außerordentliches 
Aufsehen erregte. Alle Leidenschaften nnd Zerwürfnisse, alle Schmerzen und 
Konflikte, alles Elend nnd alles Sehnen, alles, was die moderne" Gesellschaft 
bewegt, war hier zu einem Gemälde vereinigt, das mit den einfachsten 
Mitteln die höchste Wirkung erreichte, in der Wahrheit seiner Jdeen bis 
zum Schrecken ergreifend, in seiner Form vollendet war. Dieses Buch fiel 
wie ein markdurchschneidender Nothschrei in die Fragen und Ereignisse des 
Tages herein. Sein Verfasser war mit einmal in den Kreis der Berühmt- 
heiten Frankreichs versetzt. Und wer war dieser Autor, der in die tiefsten 
Abgründe des menschlichen Herzens hinabgestiegen und der die Räthsel und 
Geheimnisse desselben mit einem so durchdringenden Verstand zu beleuchten 
wußte? Wer war dieser Schriftsteller, der die Probleme der Gegenwart mit 
so sicherer Hand in die Sphäre der Kunst erhob? Gne Frau. Georges 
Sand war und hieß im Leben Aurore Dudevant-Dupin, von mütter- 
licher Seite eine Ureukelin des Marschalls Moriz von Sachsen. Die große 
SchriststelIerin, geboren am 5. Juli 1804 in Paris, hat ihr Leben in ausführ- 
lichen, vielleicht zu ausführlichen Memoiren beschrieben (-)I-Iistoire de ma 
Idee) und dürfen wir daher ihre Jugendschicksale, ihre häuslichen Verhält- 
nisse, ihren unglücklichen Eheversuch als bekannt voraussehen I). Sie kam 
I) Der mitunter sehr in die Breite gehenden Redseligkeit ungeachtet, welche die Sand 
in ihrer elfbündigen Selbstbiographie entfaltete, fand sie dennoch aus nahe liegenden Gründen
        

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