Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-497250
Frankreich. 
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neuen Periode, die bürgerliche gegenüber der ritterlich-höfischeu des roman- 
tischen Zeitalters, siegreich ankündigt und vermöge dieser Bildung die 
Romantik als überwunden erscheint. 
Rabelais" Romane wurden veröffentlicht unter den Titeln: ,,Gargan- 
tua" (La vie inestimable du granc1 Gargantua, pere de Pantagruel, 
jadis eomp0see par I-abstracteur de quintessence; L)-on 1535) und 
,,Pantagruel" (Pantagrue1 r0i des Dipsodes, restitu(-Z Ei s0n natu1-ei; 
avec ses faits et prouesses epouvantables, c0mpose par feu Mr. Al- 
cofribas, abstracteur de quintessence, 1532).1) Betrachten wir uns 
diese Werke etwas näher; es ist wohl der Mühe werth. Gargantua stammt 
aus dem Geschlechte der Riesen. Seine Erzeugung und Geburt werden"sehr, 
umständlich erzählt und seine Kindheit wird mit der grotesken Derbhcit echt- 
niederländischer Genremalerei geschildert. Den Knabenschuhen entwachsen, 
begibt sich der Held naO Paris, wo seine riesenhaste Erscheinung unter dem 
,,läppisrhen, gasfigten, albernen" Pariservolk keine geringe Sensation macht. 
Er löschte die heiße Neugierde der Pariser, als sie ihm lästig zu werden 
begann, ungefähr durch die nämliche Manipulation, womit GulIiver die 
Feuersbrunst in der Hauptstadt von Liliput löschte, also ,,daß ihrer zwei- 
hundert sechzigtausend vierhundert und achtzehn elend ersoffen, ohn" die 
Weiber nnd kleinen Kinder". Hierauf nahm er die großen Glocken von 
Notre-Dame weg, um sie seinem Roß als Schellenwerk umzuhängen, und 
da die Pariser erkannten, es wäre auf dem Wege der Gewalt mit diesem 
Menschen nichts auszurichten, ordneten sie den spiHfindigsten Orator der 
Sorbonne, Janotus de Bragmardo, als Unterhändler an ihn ab, was 
Rabelais Gelegenheit gibt, den sophistischen Pedantis1nus und barbarischen 
Gallimatthias der Gelehrsamkeit jener Zeit aufs kostbarste zu verhöhnen. 
Denn der Gesandte redet den Gargantua folgendermaßen an: ,,Ehem, hem, 
dem, Bonsdies, Gestrenger, Bonsdies: et vobis Junkherrn! Es wär doch 
halt nit mehr als billig, wenn ihr uns unsere Glocken wolltet wiedergeben. 
Denn sie thun uns gar sehr vonnöthen. Hem, hem, hasch. Wir han wohl 
I) 0euvres de It-Iaitre  R-1i)e1ais, tom. V, Amsterdam 1711. Dann die 
Pkachtausgabe: 0euv1-es de Rahel-1is(t"nit Kommentar), Paris, Didot, 1823. Oeuvres 
 Ae Rabeiais, c01i-il. pour Ia prem. kais sur les editions 0rigina1es a(:comp-rgnees 
d"un comme11taire nouveau par Burg-Jud des M-trete et Rath et-y, Paris 1870. 
R-1beIais, la renaissanee et la rk5korme, par E. Gehn-.rt, 1877. Regis hat sieh durch 
feine meisterliche Verdeutschung der um ihrer veralteten Sprache und Ausdrucksweise willen 
etwas schwer zugänglichen rabelai5"srhe Werke ein großes Verdienst um die komische Lite- 
ratur erworben. Diese Uebersetzung, aus welcher auch wir der allgemeinem Verständlichkeit 
wegen citiren, führt den Titel: ,,Meister Franz Rabelais, der Arzenei Doktoren, Gargan- 
tua und Pantagruel", aus dem Frcmzösiscl)en verdeutscht, mit Einleitung und Anmerkungen 
herausgegeben durch Gottlob Regis, 3  1832. Sehr verdienstlich ist auch die neuere 
Ver-deuts(hnng des Nabel-ais durch F. A. Gelbcke (2 Vde. 1880).
        

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