Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-496665
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Buch I. Kap. 2. 
Die Theilnahme des römischen Publikums an den Erzeugnissen dieser Dra- 
matiker scheint eine Zeit lang ziemlich groß gewesen zu sein; wenigstens 
setzt die Feststellung gewisser Klassen des Drama7s ein lebhaftes Interesse 
voraus. Schon frühe nämlich schied sich in Rom die dramatisc)e Dichtkunst 
in zwei bestimmte Arten, wobei griechischer Stoff und griechische Gewandung 
oder römifcher Stoff und römische Gewandung maßgebend waren. Die 
fabula crepiclata (Tragödie) und die fabula palliata (Komödie) hatten die 
griechische Heldensage und griechisches Leben zum Gegenstande, wogegen die 
fabula praetextata einen Stoff aus der römischen Geschichte tragisch be- 
handelte und die fabula togata Scenen aus dem römischen Volksleben zum 
Lustspiel gestaltete.  
Die fabula palliata (Komödie) hat bei den Römern von allen dra- 
matischen Gattungen die kunstmäßigste Ausbildung erfahren und zwar durch 
Plautus und Terentius. T. Maecius Plautus (wahrsch. geb. 254 und 
gest. 184 v. Chr-.) hat sich, obwohl so sehr auf dem Boden der Nachahmung 
griechischer Vorbilder stehend, daß er  freilich mit ironischer Neben- 
beziehung  in mehreren seiner Prologe sich als bloßer Ueberseher darstellt 
()-Plautus barbare v0rtjt((), dennoch als einen tüchtigen Poeten erwiesen. 
Muster scheinen ihm insbesondere Epicharmos und Philemon gewesen zu 
sein, aber er hat diese Vorbilder augenscheinlich mit genialer Freiheit und 
Kühnheit behandelt. Der Plan seiner Komödien ist einfach, die Entwickelung 
rasch, die Charakteristik wahr, sicher und scharf. Seine Sittenschilderung ist 
von unbesaugener Nacktheit und Derbheit, seine Laune unerfchöpflich, sein 
Witz sehr beißend, seine Sprache liebt alterthiimliche Worte und Wendnngen. 
Der sittliche Zorn über die Ausartung der Sitten blickt überall hinter der 
Verspottung derselben hervor. Jm Alterthum wurden dem Plautus 130 Stücke 
zugeschrieben, für echt gelten aber nur folgende 20: Amphitruo, das Geld 
für die Esel (Asjnaria), der Goldtopf (Aulularia), die Kriegsgefangenen 
(Captjvi), Curculio, Casiua, das Kästchen (Ciste1laria), Epidicus, die Bak- 
chiden (Bacchides), das Hausgespenst (Mostellaria), die Zwillingsbrüder 
(Menaecl1ini), der Bramarbas (Mjles gl0ri0sus), der Kaufmann (Mercato1-), 
Pseudolus, der Karthager (P0enulus), der Perser, der Schiffbruch (Rudens), 
Stichus, der Schatz (Trinummus), der Grobian (Truculentus). Jst Plautus 
durchaus Volkslustspieldichter, so ist Publius Terentius (mit dem Bei- 
namen Afer, als aus Afrika stammend, gest. 159 v. Chr.) der Schöpfer des 
höheren Gesel1schaftluftspieles. Die Kraft der Erfindung und Gestaltung, 
welche Plautus auszeichnet, geht ihm ab, "weßwegen seine Nachbild1mg 
griechischer Komödiendichter (hauptsächlich des Menandros) eine viel sklavi- 
schere war als die seines Vorgängers; dagegen ist sein Stil gebildeter als 
Varins, Asinius Pollio, Mäcenas, Julius Cäsar, Augustus, Ovidins 
Nasid. Vgl. O. Ribbeck, Die tömisel)e Tragödie im Zeitalter der Republik, 1875.
        

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