Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-496488
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Grunde und die Schlacht von Chäroneia bezeichnet mit dem Untergange der 
 politischen Bedeutung Atheus zugleich den Ruin der dramatischen Kunst. 
2) Die Komödie. Diese stand in höchster Blüthe, als mit Euripides 
schon der Verfall der echten antiken Tragik begann. Sie theilte übrigens 
mit dieser den Ursprung, indem auch sie aus dem Dionysoskultus und specielI 
aus den dabei üblichen phallu-Zischen Gesängen hervorging, daher auch der 
Name (s-ccT)kco;, ein feierlicher Auf- oder Umzug, und Ost; Lied, Ha-)kccpZi0c, 
Umzugs-Lied, festlicher Processionsgesang). Wie sich aus diesen Chören, 
welche allerdings schon ursprünglich komischer, spottender und persiflirender 
Natur gewesen sein mögen, nach und nach das Dramatische entwickelte, kann 
nicht genau nachgewiesen werden, so wenig als der Ort, wo diese Ent- 
wickelung vor sich ging. Dem Anschein nach geschah es in dem Nachbar- 
lande Attika"s, in Megaris, wo um 570 v. Chr. Sus a riou zuerst komische 
Spiele in Versen verfaßt haben soll, und auf Sicilien, wo zur Zeit des 
Aeschylos der Komödiendichter Epicharmos lebte, welchem Phormis und 
Deinolochos nachstrebten. Jhre Bedeutung als Kunstform erhielt die 
Komödie jedoch erst in Athen und hier zeigte sich in ihr ein absolut demo- 
kratischer Geist, der mit einer schrankenlosen Freiheit, wovor uns polizirten 
Epigonen die Haut schaudert, alle göttlichen und menschlichen Verhältnisse- 
den Staat in seiner Gesammtl)eit wie in seinen einzelnen Repräsentanten 
und Führern in das Bereich der Ko1nik, der Ironie, des Witzes und Hohnes 
hereinzog und das ganze politische, sittliche und geistige Leben der damaligen 
Zeit rücksichtslos malte und strafte. Diese Komödie, diese ,,That der abso- 
litten Heiterkeit", wie sie Rötscher genannt hat, für welche bezugs der Form 
der Chor wesentlich war, sowie die Parabase (1:oc;-disZao:;)- eine Art 
Intermezzo, in welchem der Chorführer sich im Namen des Dichters mit 
direkter Ansprache an die Zuhörer wandte  schufen und handhabten 
Kratinos, Krates, Eupolis, Pherekrates, Platon (nicht zu ver- 
wechseln mit dem berühmten Philosophen) und vor allen andern Ari- 
stophanes, der ,,ungezogene Liebling der Grazien", der Grazienschlingel 
des Alterthun1s, der, um 444  v. Chr. geboren, zur Zeit des pelopon- 
nesischen Krieges in Athen als Bürger lebte. I) Von seinen 54 Komödien 
sind uns 1'1 erhalten worden:  Die Acharner  die Ritter 
I) Dem Alterthum galt er nicht als der ,,ungezogene" Liebling der Grazien, sondern 
als ihr Liebling sc;lechiweg. Ein dem Philosophen Platon zugesä)riebenes Epigramm der 
Anthologie lautet: 
,,Als die Chariten einst einen ewigen Tempel sich suchten, 
,,Wählten, Aristophanes, sie deine Seele dazu."  
In einem andern Epigramm werden seine Kon:ödien ,,Werke von göttliche: Kunst- genannt 
und wird er gepriesen als der ,,muthige Sänger", als ,,der hellenischen Sitte Maler und 
als der komischen Kunst Meisler".
        

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