Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-496077
Pktsien, 
T 
9.7 
genießen und in der That zu den interessantesten Erzeugnissen der persischen 
Literatur -gehören".1) Chiam"s geistvolle Rubajjat lehren eine entschieden 
skeptische Weltanschannng, epiknräischen Lebensgenuß und weltverachtende 
Resignation, da es ja doch ein vergebliches Bemühen sei, das Welträthsel 
lösen zu wollen.2) In Enwer1"s Art und Weise dichteten auch der gelehrte 
Chakani Hakaiki (st. 1186), sowie Sahir Farjabi (st. 1186). Ein 
Altersgenosse dieser Beiden, Raschia Watwat (st. 1182) eröffnete sich 
durch sein Werk ,,Hadaikessihr", d. i. die Zaubergiirten, welches- eine Metrik 
und Poetik enthält, eine Wirksamkeit, die jeZt noch fortdauert. Der Haupt- 
glanz dieser Literaturperiode aber ging aus von Nifami (eigentlich Ahn 
Mohammed Bett Jussuf Scheich Nisameddin, genannt Montanasi, st. 1180 
in seiner Vaterstadt Gendsche), der zwar auch als Lyriker so fruchtbar war, 
daß er einen Diwan von etwa 20,()00 Versen hinterließ, seinen Ruhm jedoch 
vornehmlich durch die fünf Werke griindete, die nach seinem Tode unter 
dem Gesammttitel ,,Pendsch Kendsch", d. i. die fünf SchäHe (auch einfach 
,,Chamsse", d. i. Fiinfer genannt) zusammengestellt wurden. Diese fünf 
Werke sind 1) ,,Machsenol-esrar", d. i. Magazin der Geheimnisse, ein morali- 
sirendes Werk, dessen LehrsäHe durch Anekdoten belegt werden; 2) ,,Jskan- 
dername", d. i. Alexanderbuch, eine Art paneghrischer Epopöe; Z) ,,Chosru 
und Schirin"; 4) ,,Leila und Medschnun" (der 0r1ando furioso der Wüste); 
5) ,,Heft peiger", d. i. die sieben Schönheiten. Die drei zuleHt genannten 
Werke sind der Triumph der persischen Romantik und es ist Nisami beson- 
ders hoch anzurechnen, daß er in diesen Dichtungen das Weib, welches sonst 
in der mohammedanifchen Welt nicht eben eine glänzende Rolle spielt, in 
seine Rechte einsetzte. Nisami"s Liebes-geschichten blenden daher nicht allein 
durch eine anmuthige Phantastik, sie spannen auch durch meisterlich e1sonnene 
Und bedachtsam durchgeführte Verwickelungen und ergreifen und rühren 
unser Gemüth durch das reinmenschliche Gefühl, welches in ihnen quillt. 
l) A. F. Graf von Schakk: Strophen des Omar Chijam, 1878, Nachwort S. 113. 
Ft. Bodenstedt: Omar Cheijam (,,Kunst und Leben" 1879, S. 45  
Z) ,,Du sahst die Welt, doch was im Weltenall zu deinen Augen kam, ist bloßer Schein. 
Du sahst und hörtest viel, doch auch der Schall, wie ihn dein Ohr vernahm, ist bloßer Schein. 
Von einem Ende dieser Welt zum andern trug dich dein Fuß; 
Nun ruhst du aus, sinnst über manchen Fall; was darin wundersam, ist bloßer Schein!-' 
 (Bodenstedt.) 
,,Keiner hat dem Weligeheimniß je den Schleier noch gehoben; 
Unsres Geistes Auge ringshin, ach! mit Nacht ist es umwoben; 
Einen sichern Wohnort haben wir allein, im Erdenschoß; 
Ach, wie viel wir sinnen mögen, dieses Räthsel ist zu groß." (Schack.) 
Sehen, Aas. Gesetz. d. Literatur. l. s. Aufl. 7
        

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