Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Niederländische Briefe
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-487891
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-489354
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Jahre nach Claude geboren, brachen sich eine neue Bahn, in- 
dem sie die nordische Natur rein in ihrem Charakter auffaßten. 
Indessen geschah dieß freilich in einem allgemeinem Sinne, 
als es bei Italien geschehen war. Everdingen hatte "(wie 
seine Gemälde und noch mehr seine radirten Blätter beweisen) 
Skandinavien gesehen, und die schroffen Gegenden mit ihren 
Wasser-fällen und Fichtensiämmen hatten auf den Niederländer 
tiefen Eindruck gemacht. Der Charakter dieses Landes, der 
insofern dem italienischen verwandt war, als er sich in festen-  
scharfen Formen anssprach", dafür aber einen vdllig verschiede- 
nen, fast entgegengesetzten Ausdruck hatte, war am meisten 
geeignet, zunächst nach dem italienischen verstanden zu werden. 
Ruhsdael ging weiter: ihm wurde auch die Bedeutung der 
scheinbar uninteressanten Fläche und des einheimischen Waldes 
klar, und er wußte in manchen Beziehungen die Eigenthüm- 
lichkeit des niederdeutschen Landes mit unrlber-trefflicher Wahr- 
heit darzuskellen. 
Das Tiefe dieser Leistungen blieb aber ihrer Zeit und den 
Meistern selbst verborgen; hier-wie immer eilte die künstlerische 
Anschauung nicht bloß dem Beivnßtser)u, sondern auch den 
ähnlichen Erscheinungen in andern geistigen Gebieten lange 
voraus. Wie man das erste Verständnis; der Natur sich als 
eine allgemeine Schönheit gedeutet, wie man die italienische 
Gegend nicht als solche, sondern nur als ausgezeid)net schon 
betrachtet hatte,gso sah man in der nordischen zunächst nur 
eine andre- allgemeine Bedeutung. Nicht Skandinavien als 
das Land erkannte oder ahnete man, sondern nur die schauer- 
liche, pikante Naturscene, nnd da nun bei den niederländi- 
schen Landschaften einzelne entschiedene Formen nicht mehr an- 
zugeben waren, so blieb hier nichts übrig, als sie für gelungene 
Nachahmungen der Natur zu erklären. 
Diese Ansicht blieb denn auch nicht ohne nachtheiligen 
Einfluß, der sich schon bei den ersten Meisiern äußerte. Da 
sie sich das Wesen der Natur und des Geistes so vorstellten, 
daß keine innere Verbindung zwischen beiden ersichtlich war, 
so mußten sie den geistigen Ausdruck der Landschaft- den sie
        

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