Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Niederländische Briefe
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-487891
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-490011
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mit dem heidnischen Cultus. Als dieser verfiel, nisten auch 
ihre Nachfolger diese Strenge nicht mehr. Schon die heiligen 
Schriftsteller des vierten Jahrhunderts dulden und fordern 
Gemcilde in den Kirchen, und rühmen sogar, daß sie der 
Natur nahe kommen, daß sie Menschen darstellten, als ob 
sie lebten. Noch weniger hatte jene Strenge das häusliche 
Leben der Christen ergrisTen: lüustlerisch verzierter Schmuck, 
.Hausgeräth- Bildnisse C-inzelner finden sich in großer Zahl. 
Man bediente sich dabei der hergebrachten heidnischen Kunst, 
ohne selbst entschieden neue Formen zu erschaffen, indessen war 
dieß nur ein stät-kerer Beweis, daß die Frdmmigkeit die 
Kunst für gleichgültig hielt, nicht verschmahete. Später 
blieb es nicht so, der Bildersiurm war ein Zeichen eines ver- 
änderten Verhältnisses. Allein er traf nur die kirchliche Be- 
ziehung der Kunst; wenn sie sich an Gegenstände des gemei- 
nen Lebens wandte, so mußte dieß den Bilderstürmern gleich- 
gültig, den Vertheidigern sogar erwünscht seyn. In der 
Folge gestattete- die höchste Stufe astetischen Lebens dem Ein- 
zelnen nicht, sich mit weltlicl)en Dingen zu beschäftigen, 
allein diese Anforderung war nur an Wenige gemacht. Wem: 
auch zu große Ueppigieit getadelt wurde, so ging doch die 
Kirche nie so weit, den Glanz des Lebens völlig zu versagen. 
Noth viel weniger nahm sie die Kunst für sich allein in An- 
spruch; in allen Jahrhunderten ßnden wir Gewölbe welt- 
lichen Inhalts, Bildnisse der Fürsten, Schlachten, Beleh- 
nungen und sonst feierliche-Handlungen, nnd,nicht selten sind 
Geistliche, auch schon im frühem Mittelalter Papste, die 
Besteller- Nie erkannte die christliche Kirche ein Bündniß 
mit der Kunst an, nie eine Frömmigkeit, welche, wie die 
der Heiden, die Kunst vorzugsweise zur Begleiterin der Kirche 
machte. Die Lehre stand also der Auffassung des Lebens nicht 
entgegen." 
" So mag der Grund denn wohl in der Kunst selbst, viel- 
leicht in äußern Bedingungen ihrer Ausübung gelegen haben. 
In der That m"ochte dieß die am meisten verbreitete Meinung 
seyn. In der Rohheit des weltlichen Lebens konnte die Kunst
        

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