Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lebenserinnerungen
Person:
Falke, Jakob von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-483735
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-484800
Die 
Lehrzeit. 
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vorzugsweise studiert und dort, nach erhaltener Erlaulmis3, 
dass philologifche Oberlehrerexamen bestanden. Ebenso erhielt 
ich ohne Schwierigkeit die Zusage einer Anstellung nach gut 
vollendetem Probejahr. Mit diesem Versprechen reiste ich in 
die Heimat, und kaum dort angekommen, erhielt ich bereits 
die Aufforderung, mich unverzüglich nach Hildes3heim zu 
begeben, um dort die Stelle eines erkrankten und dauernd 
l1enrlaul1ten Lehrers zu übernehmen. 
Kaum hätte ich mir einen angenehmeren Ort im ganzen 
Königreich Hannvver wünschen können, eine größere Stadt 
mit zwei Gymnasien, einem katholischen und einem protestan: 
tischen, mit einem Bischofsil5 und verschiedenen königlichen 
Behörden, also voll Jntelligenz, dazu höchst anmutig auf 
Hügeln gelegen, mit waldigen Höhen, um nicht zu sagen 
Bergen, in der Nähe und hübschen Thalern, einladend zu 
Spaziergängen. Historisch in mannigfacher Weise interessant, 
war sie die reichfte Stadt an Denkmälern der alten, der 
ältesten deutschen Kunst, und ihre Straßen dazu n1alerisch 
mit den buntverzierten Hänfern im Riegelbau. Ein roman: 
tisches, der Vergangenheit zugeneigtes Gemüt konnte kaum 
irgendwo anders bessere Befriedigung finden. Dazu traf ich 
unter meinen Kollegen zwei mir sehr liebe Freunde von der 
1Iniversität her, den einen, Otto Fischer, bereits als ange: 
stellten Lehrer der Mathematik, den anderen, einen Philologen, 
Gustav Schmidt, gleich mir fein Probejahr erfüllend. Wir 
hielten auch freundschaftlich und gesellig zusammen, so lange 
es mir vergönnt war, in HildesSheim zu leben, und blieben 
auch später noch verbunden. Meinen Freund Gustav Schmidt, 
der vor kurzem erft als Direktor des Halberftädter Gym: 
nasinms starb, hatte ich das Vergnügen, nach Jahren noch 
öfter in Wien zu sehen, wo er, mit historischen und diploi 
matischen Studien beschäftigt, sich längere Zeit aushielt. 
J. v. Falte, Lcbenscrinnetungen. 5
        

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