Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lebenserinnerungen
Person:
Falke, Jakob von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-483735
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-487185
Verschiedene 
Erinuerungen 
der 
Voll 
Lebensreise. 
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in ihren1 Reichtum über den späten Herbst hinwegtäuschte, 
den Charakter bildete, sondern auch solche, wo Garten und 
Architektur sei es schon von der Anlage oder durch die Zeit 
zu einem lieblichen Gesamtbilde zusammengewachsen waren, 
zu einem Bilde, an welchem Kunst nnd Natur gleichen An: 
teil hatten. Ganz besonders haben sich bekanntlich die Sara: 
zenen darauf verstanden und verstehen es noch; allein das 
Wenige, was von ihren Bauten in Sieilien übriggeblieben, 
die erst unter den Normannen und ihren Architekten erbauten 
Hochpaläste der Kuba und Zisa stehen nackt und leer, ohne 
noch in ihrer Umgebung eine Andeutung zu geben von den 
Gärten, welche sie einst umblühten. 
An die Stelle der sarazenischen Gartenkiinstler scheinen 
in den folgenden Jahrhunderten die Mönche getreten zu sein, 
denn nach dem, was von ihren Klostergärteu aus früherer 
Zeit noch übrig ist, kann man ersehen, daß sie nicht blos; 
die Üpppigkeit der Natur walten ließen, sondern daß sie auch 
mit Verstand und Liebe Architektur nnd Vegetation zu reizenden 
sknnstgebilden zu vereinen wußten. So gedenke ich fast noch 
mit dem gleichen Entzücken der Erinnerung wie bei dem An: 
blick selber, des Klosterhofes der Venediktiner in Catania, 
der einen lustig nnd reich gebanten Pavillon aus weißem Marmor 
inmitten eines Rosengartens mit gleichen Arkaden über erhöhten 
Stufen umschließt. Heute sind die Mönche verschwunden: Lehr: 
anstalten haben ihre Stätte eingenommen, aber die Schönheit 
dessen, was sie geschaffen, ist trotz, des Mangels an Pflege under: 
wüstlich geblieben. Und wie gut war der Ort gewählt. Tritt man 
durch die Arkaden ins Freie, das ist in einen zweiten offenen, 
ans den Lavamassen errichteten Garten, so hat man eine Aussicht, 
eine der schönsten und blühendsten der Welt, eine lachende 
LiJbene, deren Hintergruud der breite Ätna mit seinem grünen 
Gürtel und seine1n weißen Schneehaupte bildet.
        

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