Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Farbenlehre
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-479697
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-482590
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PraItifcher Teil. 
soll man doch haushälterisch im Verwenden vieler Farben 
sein, denn die Außerachtlassung des Maßvollen führt zur 
Buntheit, und die packendsten Wirkungen sind meist jene, 
die mit dem geringsten Aufwand materieller Mittel erzielt 
werden. 
9. Das chromatische Gleichgewicht der Farben hat stets 
im Einklang mit der Lichtkomposition zu bleiben; der Be: 
schauer darf nie darüber im Zweifel sein, welche Farbe noch 
zum Licht gehört, und muß gleichsam selbst den Zug des 
Lichtes verfolgen können, welcher der Komposition gegeben ist. 
10. Licht: und Farbenanordnung haben stets so zu sein, 
wie sie in der Natur als wirklich oder scheinbar möglich ge: 
dacht werden können. 
In bezug auf Farbenkomposition möchte ich einen Aus: 
spruch meines Meisters, Hans Markart, der gewiß als 
,,koloristiscJes GenieU gelten kann, anführen; er äußerte sich 
über die Anordnung der Farben in einem Bilde, daß ,,wie 
in einem Bukett0 die brilIanten Farben möglichst aneinander 
gebunden werden, um dadurch sowohl das Licht als auch die 
Farben auf den bestimmten Mittelpunkt zu konzentrieren, 
der vom Maler als Hauptsache der Komposition gewählt ist. 
Hier könnte noch über die merkwürdige Art, wie eigentlich 
das künstlerische Bild im schaffenden, geistigen Auge entsteht, 
einiges hinzugefügt werden. Wir fürchten aber allzusehr 
in die Sphäre des Psychologischen hinüberzugreifen, um so 
mehr, als gerade diese Frage zu den ungelöften gehört. Nur 
um den genannten Meister nochmals zu zitieren, will ich er: 
wähnen, daß, wie er gelegentlich sagte, bei ihm stets zuerst 
die Farben: und Lichterscheinung im Geiste fertig war, 
bevor noch die Linien der Figuren eine sichere Gestalt an: 
nahmen. In seinem Schlafgemach hatte er sich ein Decken: 
gemälde geschaffen, das nur reizvolle Farben in Lichterscheinung 
enthielt und keine Formenwelt. Auch dieser kleine Umstand 
ist charakteristisch für die Art seines künstlerischen Schaffens. 
Von Genelli, der nur in Linien komponierte, ist eine kleine 
Bemerkung bekannt geworden, die das Gegenteil des obigen
        

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