Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Farbenlehre
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-479697
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-482015
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PraktiIcher Teil. 
die Malerei die Weberei imitieren, indem sieIbestrebt ist, durch 
Farben den Eindruck des Wand: oder Bodenteppiches nach: 
zuahmen Cassyrische Dekoration, byzantischer und romanischer 
Stil, DeckenmalereiJ. 
Hat die Farbe im Ornament der Flächendekoration 
schon so großen Spielraum, durch sich selbst den Beschauer 
über die eigentliche Unterlage im ungewissen zu lassen, so 
sehen wir sie durch ihre Fähigkeit, jeden wie immer gewollten 
Farbenton durch Vermischung mehrerer Farben anzunehmen, 
so angewendet, daß sie selbst die Flächenhaftigkeit ihrer Unter: 
lage und die Körperhaftigkeit des eigenen Pigmeutes ver: 
schwinden lassen kann. Wenigstens geht das Streben des 
Malers bei dem Bilde dahin, möglichst wenig daran zu 
erinnern, daß es überhaupt mit Farbstofsen, sei es auf Holz, 
Leinwand oder Papier gemalt ist; durch das genaueste Ab: 
wiigenivon Licht und Schatten, durch die Nothilfe der 
Perspektive und vollkommene Darstellung des gewollten 
Gedankens ruft er eine Täuschung hervor, als ob die ebene 
Fläche überhaupt nicht existierte und der Beschauer den Ein: 
druck gewinnt, in eine andere Zeit, an einen anderen Ort, 
vielleicht sogar in eine andere Welt verseht zu seinl 
Zwischen der Flächendekoration, bei der die Farbe als 
solche das Motiv bildet, dem farbigen Ornament, selbst wenn 
es durch die Hissmittel von Licht und Schatten reliefierte 
Wirkung anstrebt, und der auf Täuschung berechneten rea: 
listischen Malerei gibt es in allen Stilarten und allen Kunst: 
epochen, bei jeder einzelnen Art der Kunstanwendung Vielfache 
Verbindungsglieder. Die ganz spezifische Anordnung jeder 
einzelnen oder in Verbindung mit anderen Künsten CArchi: 
tektur und SknlpturJ auftretenden Berzierungselemente 
gewährt uns dann einen iisthetisch wohltuenden, abgerundeten 
Eindruck, der das Charakteristikum einer hohen Kunstblüte 
ist und in seinen vollkommensten Formen uns als Stil: 
reinheit entgegentritt. Die Farbe spielt demgemäß im 
Stile eine große Rolle, sie bringt erst Leben in die toten 
Flächen, ihr ist der Gesamteindruck untertan, sie unterstützt
        

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