Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den letzten fünf Jahren
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-475486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-479228
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als er vor achtzig Jahren die Köpfe nachriß, sich Freiheiten im 
Sinne der Schule David7s erlaubt haben. Nur von der Aus: 
stattnng des Tisches sind als Reste des ursprünglichen Werkes die 
Formen einiger Flaschen nnd Gäser in ganz blassen Silhouetten 
erkennbar: bei ihnen ermißt man recht, wie kräftig der Restaurator 
das Vorhandene iiberging, denn jene Flaschen und Gläser waren von 
ihm ganz beseitigt worden, um später erst wieder zu ersrheinen. 
Was aber ist mit der Kirche selbst geschehenP Erst in den 
ansänglichen Jahrzehnten unseres Jahrhunderts scheint ihr innerer 
Umbau, eine Verschönerung im Sinne der damals herrschenden 
classischen Manier, stattgefunden zu haben. Ein länglicher Stein: 
bau aus dem dreizehnten oder vierzehnten Jahrhundert, vier glatte 
Wände mit flachaufliegendem .Holzdache und angebaute1n schlanken 
Campanile, eine von den ungezählten romanischen kleinen Kirchen, 
die, wohin das Auge reicht, aus dem Grün der Verg1oände und 
aus den Thälern uns entgegenleuchten, war auch die von Ponte 
Capriasca, außen der rohe Stein, innen mit Ge1nälden bedeckt. 
Die Eopie des Abendmahles nahm die westliche Wand ein, die 
früher Vielleicht sOon einen anderen Schmuck getragen hatte, der 
Hauptaltar lag darunter. Durch eingebante Wände ist dieser 
Raum zu einem auf Renaissancesänlen ruhenden, gewiilbten schmalen 
Querschisse umgewandelt worden, aus dessen Mitte, unter einer 
hochgewölbten Kuppel, eine neuangebaute Tribüne nach Norden 
herausspringt, Alles in kahler, gleichgiiltiger Pracht, mit Aufwand 
üppiger Qrnamentik hergestellt. Auch die äußere große Thiir der 
Kirche wurde in diesem Stile angebaut, das Uebrige roh belassen, 
wie es dagestanden hatte. In einem durch die eingezogene Wand 
von der Kirche abgeschnittenen engen Gange, so schmal, daß man 
die Hände nicht nach beiden Seiten ansstrecken kann, trägt die 
Mauer ein in den Dämmer hinaufragendes Fresco, eine Himmels 
fahrt Mariä.; nur die unten kuienden Apostel sind zu erkennen. 
Die Uebern1alung der Cena erscheint mir so frisch, daß sie 
vielleicht mit diesem Uniban der Kirche im Zusammenhange steht; 
auch ist sie so stark aufgetragen, daß sie sich vielleicht ablösen lassen 
würde. Manches iiberstrichene Gemälde ja ist später ziemlich un: 
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