Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den letzten fünf Jahren
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-475486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-476056
zu sein, das die Lücke ansfiillte; ein solches Buch wird mit den 
Jahren erst entstehen können: aber mir scheint, als ob diese Aufs 
fassung des GoetheschensGeistesreichthums, diese Goethesche Methode, 
den Gehalt seiner Gedanken zu verarbeiten, das Programm unserer 
Gesellschaft sein könnte. Wenn ich an Ueberschriften von Kapiteln 
denken wollte, wie ,,Winckelmann und sein JahrhundertU sie ent: 
hält, so würde ,,Goethe und sein JahrhundertH deren eine grenzen: 
lose Menge in Aussicht stellen. Es gibt fast keinen geistigen Punkt 
außerhalb Goethes, der nicht, wenn wir eine Linie zwischen Goethe 
und ihm zögen, das Schauspiel einer Entwicklung darböte. Was 
an Begriffen und Thatsachen unsere Welt erfüllt, hat in Goethe 
seine Geschichte gehabt. Es ist, als habe seinem Geiste nichts be: 
gegnen können, das nicht einen festen Platz darin erhalten hätte, 
um, wie eine in den ihrer Natur am meisten ,zusagenden Boden 
versetzte Pflanze, sich in gesteigertem Wachsthum weiter zu ent: 
falten.  
Nehmen wir nur die persönlichen Verhältnisse, von deren Vers 
laufe wir bestimmt wissen: vom ersten Momente der Bekanntschaft 
bis zum letzten findet fast bei jedem ein Fortschritt mit einer Krisis 
statt. Goethe besitzt eine Macht, Menschen in sich aufzunehmen 
und sie in sich fortarbeiten zu lassen, die nur begreiflich wird, wenn 
wir gewahren, daß seine Natur gerade hierauf zugeschnitten war. 
Lebende oder Todte: in Berührung mit ihm haben sie besondere 
Schicksale. Nehmen wir wieder Winckelmann. Durchs Oeser in 
Leipzig lernt er ihn als junger Mensch zuerst kennen. Die Er: 
schütterung, die die Kunde seiner Ermordung in Deutschland hervor; 
brachte, erlebte Goethe damals selbst noch. Jn Jtalien aber erst, 
viel später, studirte er Winckelmann7s Schriften ernstlich und ges 
winnt ein begründetes Gefühl seiner Größe. Wiederum fast zwanzig 
Jahre später dann entsteht ,,Winckelmann und sein Jahrhundert.0 
Hier nun scheint Goethe sich in dem, was er über Winckelmann 
zu sagen hatte, erschöpft zu haben, denn seine späteren, Winckelmann 
betreffenden Äußerungen, auch das, was die Jtalienische Reise über 
ihn enthält, ist unbedeutend. Im Jahre 1827 aber schreibt er die 
kleine Recension des Buches über die Sammlung der geschnittenen
        

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