Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den letzten fünf Jahren
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-475486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-479010
302 
dem andern erfand: im Großen und Ganzen entspricht das Innere 
des Baues auch in der Vollendung heute dem noch, was Bramante 
wollte. Im Vaticanischen Palaste dagegen erhebt sich die Wunder: 
bare Nisa;e vor uns, mit der Bramante den inneren Hof des 
von ihm neu erdarhten Baues schmückte: Alles, was wir an irdischen 
Bauten als kolosfal und groß und schön und frei rühmen, steht 
in diesen Werken vor unsern Augen. Damals allerdings nur 
Pläne, Phantasien, Von denen Bra1nante7s Gedanken unablässig 
erfüllt waren, zugleich aber doch auch ein Anfang gemacht, sie 
auszuführen. 
Konnte Raphael da nicht die Idee kommen, in der Dispnta 
die Fnndamentirung der neuen Kirche zu symbolisiren und in der 
Schule von Athen deren letzte Vollendung vorweg zu nchmenP 
Was sollte die Schule von Athen darstellcnP Einen Tempel, 
der im Sinne der damaligen Weltanfihauung zugleich Kirche und 
Akademie war. 
Bedenken wir, daß in jenen Tagen von der Reform der 
Kirche Alles im weitesten Umfange noch erhofft wurde, was inneri 
halb menschlicher Erwartungen überhaupt lag. Wie bei den An: 
fiingen der französischen Revolution glaubte die Welt an die Mög: 
lichkeit eines alle Menschen umfassenden geistigen Zustandes, der ihre 
Wünsche befriedigte. Alterthum und eigne Zeit würden gleichmäßig an 
ihm betheiligt fein. Raphael7s Phantasie durfte wohl den Flug 
wagen, die Peterskirche in ihrer einstigeu Vollendung als die Stelle 
aufzufassen, in der die Religion der Zukunft ihren Centralpunkt 
besäße. Es gab kein Ereigniß, in dem das Gelingen all dieser 
Hoffnungen sich einfacher s1Jtnbolisiren ließ, als die Predigt 
Paulus7 in Athen. Die Aufgabe der Philosophen bestand den 
Anschauungen der Zeit Raphael7s nach darin, daß die Lösung der 
Zweifel über die Natur des Göttlichen, die der Anblick der Dinge in 
uns erregt, von ihnen vorbereitet würde. Die Lösung selbst aber 
konnte nur von der Offenbarung ausgehen. Und so denn, wie drüben 
der Himmel sich öffnet, un1 durch den Anblick der Dreieinigkeit die 
Widerstrebenden Meinungen zu vereinigen, tritt hier Paulus unter
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.