Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den letzten fünf Jahren
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-475486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-478882
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auf dem großen Carton zu Mailand, der als Raphael7s eigne und 
unveränderte Handzeichnung die Gestalt des Paulus in überzeugen: 
der Aechtheit und Frische bewahrt. Hier erkennen wir die Verwandt: 
schaft dieses jugendlichen Paulus mit dem der heiligen Caecilia 
erst in vollem Umsauge. 
Es ist viel Scharfsinn und Gelehrsamkeit darauf verwandt 
worden, Basari7s Angabe, nicht Paulus, sondern Aristoteles sei in 
dieser Gestalt von Raphael dargestellt worden, der Ghisi7s gegen: 
über zu vertheidigen. Man fängt allmälig aber an, davon ab: 
zustehen, ebenso wie man den Versuch aufgiebt, in den sämmtlichen 
Gestalten der Schule von Athen den künstlichen Aufbau einer Ge: 
schichte der griechischen Philosophie zu sehen. Zu Ende des 17. 
Jahrhunderts erst begannen diese Deutungsversuche. Allerdings 
muß zugegeben werden, daß weder für Paulus, noch für Aristoteles 
zwingende Beweise vorliegen, daß man sich also entscheiden dürfe 
wie man wolle: fragt man aber, für welchen Namen die größere 
Wahrscheinlichkeit spreche, so muß Paulus genannt werden. Schein: 
bar nur wiirde zu Gunsten von Aristoteles geltend gemacht werden 
dürfen, daß sich auf dem Buche, welches er auf den Schenkel ge: 
stüht hält, die Aufschrift Etica findet, wie denn zugleich auf dem 
Buche unter dem Arme des Mannes neben ihm Timeo steht. Diese 
Jnschriften, die Vasari allerdings erwähnt, können in der Orthos 
graphie und in der technischen Beschaffenheit, in der sie heute sieht: 
bar sind, nicht zu Raphaels Zeiten entstanden sein: dies wird all: 
seitig zugestanden. Eher spräche für Aristoteles, daß auch ersieh 
als mit ausgestrecktem Arme dastehend erwähnt findet, und zwar 
in den Briefeu des Sidonius Apollinaris, dessen adjectivreiche Be: 
schreibung der bildlichen Darstellung antiker Philosophen Raphael, 
wie es scheint, gekannt und, was eine Anzahl Gestalten anlangt, 
für die Schule von Athen benutzt hat. Zu Gunsten Deutung 
der beiden Mittelfiguren als Aristoteles und Plato spräche 
ferner die breite, schöne Beschreibung des Gemäldes in diesem 
Sinne, die Goethe in der Farbenlehre giebt. Hier stellt er die 
beiden Philvsophen als Repräsentanten zweier Weltanschauungen 
auf, die die Menschheit, so lange wir von ihren Gedanken wissen, 
H. Grimm, Fünszel1n Essans. 1V. F. 19
        

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