Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den letzten fünf Jahren
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-475486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-478611
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treten Leute auf, die Ordnung in diesen Wust zu bringen suchen; 
dabei ergeben sich Stellen, über die man weniger als über andere 
oder über die man gar nichts weiß, und es werden Versuche ge: 
macht, sie auszufüllen: zuerst wohl nur durch Erfindungen im Sinne 
des Uebrigen. Dann regen sich die Anfänge der historischen Kritik 
nnd endlich kommen die Zeiten, wo man Alles zu wissen oder doch 
erforschen zu können glaubt und die Vergangenheit mit regelrechter 
Kunst aufbaut, entweder wie man sie ehrlich selber sieht, oder wie 
man sie für diesen oder jenen Zweck der Welt als das wirkliche 
Bild des Dagewesencn hinstellen möchte. In unseren letzten Zeiten 
ist die Theilnahme am Vergaugenen eine so allgemeine, daß in 
ihrer Bethätiguug fast eben so viel Kraft nnd Energie in Arbeit 
stehen, als zur Befriedigung dessen, was Gegenwart und Zukunft 
für sich verlangen. Historiker sind wir nun alle. Jedermann zum 
eigenen Gebrauche mindestens. Es ist kein gebildeter Mensch denk: 
bar, der nicht sein geschichtliches Eredo hätte und es nicht zu vers 
mehren bestrebt wäre. Man fühlt, daß ohne Kenntniß des Vers 
gangeneu die Gegenwart unverständlich sei. Daß bei allen De: 
batten über den Werth des vorhandenen geistigen Besitzes die 
Kenntniß des geistigen Inhalts der früheren Generationen nöthig 
sei. Die Behandlung einer gemeinnützigen Frage ohne einleitenden 
historischen Rückblick würde fast unmöglich scheinen. Jeder von uns 
ist überzeugt, daß Alles, was die Gegenwart erfüllt, in Zusammen: 
hang stehe mit Anfängen, die, wenn man sie nicht kennt, zu er: 
gründen seien, ehe man ein definitiues Urtheil abgibt. Wie nun 
aber erlangt man die Kenntnisse, deren es hier bedarfPAus eigner 
ForschuugP Aus Hingabe an AutoritäteuP Oder aus dem, was 
das Leben an halb bewußt, halb unbewußt sich cinprägeuden Frag: 
meuten allgemeinen Wissens uns zuführt und sich in uns im Laufe 
des eignen Wirkens, als historische Lebensanschauung niederschlägtP 
Ich glaube, daß dieser dritte Weg der sei, den die Meisten von 
uns gehen nnd den wir zu gehen genöthigt sind. Eigene For: 
schnngen ernsthaft anzustellen, werden sich nur die Wenigsten zu: 
trauen: denn Jeder ist in seinem speciellen Thun zu sehr ,,Fach: 
1naunH heute, um sich nicht zu sagen, daß auch historische Arbeit
        

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