Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den letzten fünf Jahren
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-475486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-478122
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chronologisih exaktestcn Feststellung der Entstehungsdaten, in der 
Herbeischaffung aller Nachrichten über die Schicksale der Werke, in 
der Prüfung ihres heutigen Znstaudes liegt die Kraft der aufs 
geIvandten Arbeit. Wie wenig ist den Blicken dieser Kenner ent: 
gangen und unberiicksichtigt gebliebenl  
Was im Gegensatz zu dieser inti1nen Beschäftigung mit den 
Werken der Künstler nun doch aber als Kunstges.hichte in höherem 
Sinne gelten müsse, zeigt sich am klarsten, wenn ich die Biicher 
aufziihle, die von den heute wirksamen öffentlichen Lehrern der 
Neneren Kunstgeschichte an den preußischen Universitäten verfaßt 
worden sind. Justi schrieb sein Buch über Winckelmann, Schmarsow 
iiber Melozzo de Forli, Frei; über die Loggia dei Lanzi, Thode 
iiber Franz von Assisi, ich selbst über Michelangelo nnd über 
Raphael. Diese Arbeiten gehen ans von der geistigen und biirger: 
lichen Entwicklung der Jahrhunderte. Die Eultur des 18. Jahri 
huuderts, die Zustände des auslaufenden Qnattrocento, die Ents 
wicklung florentinischer öffentlicher Verhältnisse im 13. und l4., das 
wunderbare Eingreifen des religiösen Umschwunges im 13. Jahr: 
hundert u. s. w. lieferten die Gesichtspunkte. Religiöses, politisches, 
literariskhes Leben nimmt in diesen Darstellungen so großen Raum ein, 
daß das künstlerische zuweilen mehr als billig zurückzutreten scheint. 
Wie aber wäre es ohne diesen Zusammenhang richtig zu deutenP 
Nun spreche ich Alles ans, was zu wissen nöthig ist, um den 
jetzt innerhalb der Archiiologie ausgebrochenen Zwiespalt verständlich 
zu machen, wenn ich sage, daß die eben dargestellte doppelte Arbeit auf 
dem Gebiete der Neueren Kunstgeschichte auf dem der Alten Kunst 
bisher nicht vorhanden war, daß die mit Goethe und Winckelmanu 
beginnende Auffassung Von der Entwicklung der Kunst als eines 
nur im Hinblick auf das mitfortschreitende gesammte geistige Leben 
der Völker .Verstiindlichen Ele1nentes bisher der Gesichtspunkt war, 
von dem hier ausgegangen wurde, nnd daß heute der Versuch ge: 
macht wird, jene getheilte Thätigkeit der Neueren Kunsthiftorie auch 
in der Archiiologie zur Geltung zu bringen. Nicht aber sd etwa, 
daß die Arbeit im Sinne des Sammlers, wie ich sie charakterisirte, 
künftig neben der Arbeit im Sinne des Historikers nebenherzulaufen
        

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