Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den letzten fünf Jahren
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-475486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-477618
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theilen. Denn diesem Streite fehlt ein reales Schlachtfeld, er wird 
in der Luft geführt. VI 
 Auch bei den heutigen Künstlern herrschen die falschen Be: 
griffe über dem Umfang dessen, was öffentlich zu beurtheilen nie: 
mand anders als dem Künstler gebiihre. Ohne Zweifel gibt es 
Dinge, die der Laie nicht versteht. Wenn es sich z. B. um Gut: 
achten über Anwendung von Eavallerie, um Befestigung der Grenze, 
um specielle Ausbildung der Manuschaften handelt, wenn die 
Gründe darzulegen wären, aus denen Friedrich oder Napoleon bei 
bestimmten Schlachten diese oder jene Manöver ausführten, so 
wird man Militiirs von Fach als die betrahten, welche zuerst, 
vielleicht allein gehört werden müssen. Wenn dagegen von natios 
naler Ehre und Tapferkeit, wenn im allgemeinen von Krieg und 
Frieden, von Siegen und Niederlagen im historischen Sinne die 
Rede ist, hat jeder das Recht, sich auszusprechen. Das Rein: 
menschliche ist jedes Mannes Do1näne, zum Historiker jeder be: 
rufen, der die innere Vocation fühlt und sich Gehör verschafft. 
Ranke war zuerst Gymnasiallehrer, dann Universitätsprofessor. Er 
hat niemals den Krieg gesehen, nie diplomatischen Dienst gethan, 
er hatte alles aus Büchern und Manuscripten: trotzdem lesen 
Staatsmiinner und Militärs seine Weltgeschichte, in der zu1neist 
von Krieg und Politik gehandelt ist. Dasselbe gilt bei den Wer: 
ken von Dichtern und Künstlern. Um ein Schlachtgemiilde zu 
schaffen, braucht man den Krieg nicht gesehen zu haben, und 11m 
es zu beurtheilen, ebensowenig. 
Sollte nun aber ein rigoroser Militär behaupten, Schillers 
Wallenftein könne nichts taugen, weil Schiller den Krieg nie ge: 
sehen, so würde man auch diesen freilich reden lassen, denn Jeder 
darf heute über alles sich aussprechen, wenn er gewisse Grenzen 
nicht überschreitet, die Sitte und Gesetz vorschreiben. Recht hätte 
dieser Militiir nicht, wohl aber würde Schiller es haben hinnehmen 
III In fast periodisclJer Umlaufszeit erneuert sich in Broschüren und 
Zeitungsartikeln der Kampf um diese Dinge, die ich gerade jetzt behandle, 
weil äußere Veranlassung dazu glücklicherweise fehlt.
        

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