Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den letzten fünf Jahren
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-475486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-477085
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die ersten vollen Schößlinge seines jugendlichen Ruhmes gewesen. Dann 
schien Goethe zu verstUmmen. Mit Jphigenie, Eg1nont und Tasso 
begann die Weimaraner Epoche, fiir deren Producte er sich ein 
neues Publicum gewinnen mußte. Goethe7s zu festerer Masse vers 
einigten Gedichte aber haben erst von der dritten Epoche an eine 
Rolle zu spielen begonnen, wo Hermann und Dorothea, die Wahl: 
verwandtschaften und Faust den bereits in die zweite Hälfte des 
Meuschenalters hineinalternden Dichter neu auferstehen ließen. Her: 
der war nun abgethan. Goethe7s Verbindung mit Schiller und 
den Schlegels ist der Anfang dieser frisch beginnenden Bliithezeit 
gewesen. 1812 kamen die ,Gedichtet als Band für sich zum ersten 
Male heraus. Was von 1815 an in Gestalt kleinerer Versstücke 
hervorgebracht worden ist, blieb dann getrennt bestehen und wurde 
den Gedichten nur angefiigt. Den ältesten Kern bildeten die Leip: 
ziger Lieder für den Gesang und die von Behrisch zusammen: 
geschriebenen Stücke. Dazu kamen successive im Laufe von 30 bis 
40 Jahren das Liederbuch von Friederike, die Gedichte aus Lili7s 
Tagen, die für Frau von Stein geschriebenen, aus Christianens 
und aus Schiller7s Zeiten: all das wurde zusa1nn1engethan und 
ineinander gewirkt. 
  Auch in Goethe7s Sinne bildete die Masse schließlich aber ein 
Ganzes und die von ihm ersonnene Reihenfolge darf heute nicht 
gestört werden, weder durch Versetzung der Stücke noch durch Aufs 
nahme anderer, die als Nachträge ein Recht darauf haben zu können 
schienen. Goethe hat bei der Einrichtung der Gedichte Absichten 
gehabt, die nicht vereitelt werden dürfen. Kein Leser sollte sich zu 
tief in das Studium der Entstehungsdaten und Entstehungsi 
bedingungen der Verse verleiten lassen. Auch soll uns nicht die 
mit den Jahren wechselnde Gestalt Goethe7s bei diesen Bänden 
seiner Gedichte vor Augen stehen, sondern Goethe als einheitliche 
Erscheinung, jung und alt zu gleicher Zeit, darüber schweben. Nur 
ganz gründliches Studium bewahrt vor dem Schicksale, hier mit 
Verlust zu arbeiten. Es scheint oft so einfach, den Weg, den der 
Dichter im Abändern und Vervollkommnen seiner Verse gegangen 
sei, in festen Schritten nachzuschreiten; das Material scheint volls
        

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