Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den letzten fünf Jahren
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-475486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-475838
Was meine Aufmerksamkeit auf den Essay als literarifme Form 
zuerst hinlenkte, waren weder MontaigneEs, nom Bacon7s, nom die 
Efsays Addifon7s, Locke7s, .Hume7s und der Andern, sondern die 
Emerson7s. Ralph Waldo Emerfon hat dem Efsay eine wiederum 
andre Bedeutung gegeben. Die früheren Essayisten waren Smrifts 
steiler, E1nerfon war Prediger. Seine Essays könnte man als 
kurze niedergefmriebene Predigten charakterisiren, die an Jedermann 
gerichtet sind. Zum wirklichen Essai; ist heute erforderlim, daß er 
in fließenden, individuell gehaltenen Gedankenreihen etwas allgemein 
Verständlimes rasch behandle. 
In diesem Sinne nahmen neben Emerson Carlyle und Mut: 
thew Arnald die literarifme Form auf. In Allem, was sie über 
die Dinge sagen, steht die Same selbst nimt höher oder niedriger 
als ihre eigene Person, in deren Geiste sie sim spiegelt. Es lag 
in ihrer Natur, so zu schreiben. Macanlay7s Esfays find dieser Auf: 
fassung nam vielleicht keine ämten Effays, da er die Same zu stark 
hervortreten läßt und zu viel exakte Kenntnifse zu vermitteln sumt. 
Aum Baron wollte nur belehren, aber dadurch, daß er sich aus: 
spram wie er selbst dachte. Im fiir mein Theil habe diese Form oft 
gewählt, um Studien, die im nach verschiedenen Richtungen gemacht 
hatte, mehr anzudeuten als ihrem gesammten Inhalt nach mit; 
zutheilen. Im sumte einstweilen Proben dieser Studien zu geben, 
zufammensassende Borreden gleimsam zu ungesrhriebenen Bijmern, 
und fand, daß der Name Essah dieser literarifmen Form der an: 
gemessenste sei, weil im nur dann schrieb, wenn im in meinem 
eignen Fortsmreiten dies oder jenes Capitel absolvirt hatte. Bei 
den in dieser Sammlung vorliegenden Auffä1zen dagegen war mehr 
die Absicht maaßgebend, sim niitg,lim zu machen. 
Es liegt in der Natur der Same, daß in den Stücken, 
welche dieser Band umfaßt, zuweilen die gleimen Gedanken wieder: 
kehren. Ich habe hier nimts ändern wollen. Das Leben läßt bei 
versmiedenen Gelegenheiten oft dieselben Gedanken entstehen, ohne 
sie jedesmal ihrem vollen Werthe nach zur Entfaltung zu bringen. 
Sie greifen in fragmentarismer Weise nur da nnd dort ein und 
nehmen breiteren oder besmränkteren Raum in Ansprum. Was
        

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