Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus meiner Zeit
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-464624
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-465190
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Jtalien 
185ls 
Münchener Hause neben dem meinigen Zuflucht suchen würde. 
Verdient haben sie ihr Schicksal freilich reichlich, diese 
neapolitanischen BourbonenI Das schlimmste Vermächtnis, 
was die alte Herrschaft der neuen gelassen, ist die anscheinend 
unausrottbare Demoralisation aller, besonders aber der höheren 
Klassen. Darum hat auch das von der Natur so ungleich 
begiinstigtere Italien seit der Erringung seiner Unabhängig: 
keit so viel geringere Fortschritte gemacht als das arme und 
rauhe Deutschland. 
Im August kehrte ich endlich, trunken von all dem 
Genossenen, wieder zurück nach Rom, dessen strenge Schön: 
heit indes doch den Vergleich mit dem üppigen, sinnbethören: 
den Neapel sehr wohl aushielt. Dennoch war meines Bleibens 
nicht mehr lange, die Heimat zog mich immer stärker an, 
und ich verließ Rom, um es erst nach einem Vierteljahr: 
hundert unter gänzlich veränderten Verhältnissen wieder: 
zusehen. Über Viterbo kam ich nun nach Orvieto, dessen 
Dom mich fast mehr entziickte als alle Wunder der Bau: 
kunst, die ich bisher gesehen, weil er mir zeigte, welche 
zauberische Wirkungen man in der Baukunst mit dem Farben: 
reiz erreichen könne, wenn man seine AusnuHung besser ver: 
steht, als es die ungeheure Mehrzahl aller heutigen Archi: 
tekten thut. Hier und an der Markuskirche war das nun 
auch Absicht, am Togenpalast und am Mailänder Dom that 
es die Beize des Sirocco. Es ist aber doch ausfallend, daß 
gerade diese vier Gebäude, welche in Italien die größte 
Wirkung machen, dem gotischen Stil angehören. Der Zauber 
des Straßburge.r Münsters ist aber auch ein wesentlich 
koloristischer, wie der des Do1nes von Orvietoi Von ihm 
ging ich nach Perugia, dessen reizende Lage mir noch besser
        

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