Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus meiner Zeit
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-464624
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-467168
VUkZHcUl. 
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noch hinkend zurückkehrte und heute noch die Folgen jenes 
Schusses nicht losgeworden ist.  Ein anderer, Sohn eines 
meiner Freunde, ward auch mit Ersatz,mannschaft nach Paris, 
während der größten Kälte um Weihnachten, geschickt. Immer 
in Waggons mit zerbrochenen Scheiben zu fahren gezwungen, 
brauchten sie sechs Tage bis Lagny. Dort bekam er sofort 
den Typhus, konnte sich nicht erholen und mußte zuleHt, 
ohne nur je einen Schuß abgefeuert zu haben, vom Vater 
abgeholt werden, um dann noch jahrelang siech dazuliegen. 
Das tragischste Schicksal aber traf meinen Freund, den Archiss 
tekten Biircklein, dessen drei Söhne alle im Felde standen. 
Der älteste derselben, Schiit3enhauptmann, ein prächtig frischer 
Soldat, stand noch am Abend der Schlacht von Sedan mit 
einigen anderen Ossizieren plaudernd zusammen, während 
der Geschijtzdonner schon ganz aufgehört hatte. Man sagte 
ihnen nun, daß die Festung bereits die weiße Fahne auf: 
gezogen habe. Um dies zu sehen, besteigt er einen kleinen 
Hügel, der vor ihnen die Stadt verdeckte. In diesem Augen: 
blick fliegt die letzte Granate daher, die überhaupt noch abs 
gefeuert ward an dem Tag, und zerreißt ihn. Er wird 
denn auch am Platze von seinen tiefbetrübten Kameraden 
begraben. Nun läßt aber die Mutter dem Vater keine Ruhe, 
bis er wenigstens die Gebeine des Sohnes unter unsägs 
liihen Schwierigkeiten aller Art auffindet und mitten im 
Winter heimbringt. Als er mir seine Abenteuer in dem 
feindlichen Lande erzählt, seht er noch hinzu: zieht weiß ich 
aber selber bald nicht mehr, ob ich nicht auch noch verrückt 
werdeStt Bald zeigten sich denn auch die ersten Spuren 
der Gehirnerweichung, welcher der unglückliche Mann nach 
zwei Jahren erliegen sollte.
        

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