Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus meiner Zeit
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-464624
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-466103
Ursachen 
Von 
ScJesfels 
U11fruchtbarkeit. 
129 
folglos, nnd erst nach der Errichtung des Reichsgerichts, an 
das der Prozeß in leHter Instanz ging, verhalf ihm das: 
selbe zu seinem Eigentum. Für die vielen ihm durch diesen 
Streit, der ihm alle Stimmung raubte, verdorbenen Jahre 
erhielt er freilich keine Entschädigung. Ebenso verwickelten 
ihn seine beiden köstlichen Landhäufer bei Radolfzell am 
Bodensee in mehrfache Rechtshändel mit den Nachbarn, wo 
er keineswegs immer siegte, so hartnäckig er sie auch durch: 
focht. Man mußte ihn eine solche Prozeßgeschichte erzählen 
hören, um zu begreifen, wie der sonst so freigebige Mann 
mit echt alema11nischer Starrköpfigkeit sein wirkliches oder 
vermeintliches Recht bis aufs legte Tüpfelchen hinaus ver: 
focht und sich eher durch die Streiterei um alle Schaffens: 
lust brachte, als nachzugehen.  Nur so läßt sich auch seine 
geringe Fruchtbarkeit in den legten zwanzig Jahren seines 
Lebens erklären, da Ehe und Prozesse in denselben ihn zu 
niahts kommen ließen. Zog er sich doch deshalb so viel als 
nur möglich von aller Gesellschaft zurück, für die er ja ein 
so unvergleichliches Talent besaß, also sie eigentlich hätte 
lieben müssen. Aber seine Nerven waren durch alle die 
aus jener Quelle stammenden Aufregungen so zerrüttet, daß 
der große, kräftig gebaute Mann oft jeder geistigen Be: 
schäftigung ans dem Wege gehen mußte.  So gehörte es 
auch offenbar zu seinen daher stammenden Eigenheiten, daß 
er einen fast nie ansah, selbst wenn er das Wort an einen 
richtete, eine Gewohnheit, die sich erst später bei ihm aus: 
bildete. Am glücklichsten fühlte er sich deshalb in seinem 
einsamen Landfitg, am Bodensee, der, am Ende einer schmalen, 
aber eine halbe Stunde lang in den See hineinfiihrenden 
Landzunge, auf luftiger Höhe gelegen, nach drei Seiten vom 
Fr. Pecht, Aus meiner Zeit. lI U
        

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