Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus meiner Zeit
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-460602
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-464372
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Frankfurt 
1848s 
sich die staatsmännischen Talente von Frankfurt fern hielten, 
wie z. B. Bismarck, da sie ihre Fruchtlosigkeit voraus sahen. 
Außer Mathy, der fast nie sprach, Dahlmann, Beseler und 
H. v. Schmerling oder Radowitz wüßte ich kaum irgend 
einen, der mir den Eindruck solcher Begabung hinterlassen 
hätte. Schmerling aber, lang, mephistophelisch hager und 
fchwarzbärtig, war das Jdeal eines spezifisch österreichischen 
Bureaukraten noch viel mehr als das eines deutschen Staats: 
mannes und machte darum mehr den Eindruck der Hinter: 
haltigkeit und Schlauheit, als der Größe und schöpferischen 
Kraft. Die Osterreicher waren denn auch da in einer so 
falschen Stellung, als ewiges Hindernis, daß sie sich den 
Konsequenzen derselben nicht entziehen konnten und sich darum 
durchaus in ehrliche, aber unpraktische Schwär1ner, wie Alsred 
Meißner, und mehr oder weniger begabte, aber höchst un: 
zuverlässige Streber schieden, wie z. B. der glänzende Redner 
Giskra.  Alles, was da irgendwie zur Regierung gehörte, 
war voller Arglist, ohne die es nun einmal nicht abgeht in 
diesem Völkergemisch.  Die angenehm zutraulichen Um: 
gangsformen konnten einen nicht lange darüber wegtäuschen 
und man zog darum bald das spröde und herbe preußische 
Wesen weit vor. Der lange Despotismus hat in Osterreich 
ebenso tiefe Spuren,zurückgelassen im Charakter der Be: 
völkerung, als die lange nationale Ehrlosigkeit in unserem. 
Der Reichstag hatte sich nun einstweilen so in die Dis: 
kussion der Grnndrechte verbissen, daß er für nichts anderes mehr 
Sinn hatte. Wohl aus Verlegenheit, was er denn eigentlich 
anfangen solle. Deshalb ward bald die Diskussion über die 
Stellung der Kirche im Staat besonders interessant, weil 
sich da die große Zahl der offenen und versteckten Ultra:
        

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