Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus meiner Zeit
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-460602
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-463665
LDcllklllk. 
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holen sei, der es verstehe, der Nation ihre Liebliuge würdig 
vorzuführen, war mir ganz klar, und ob ich dazu irgend 
berufen, solcher Aufgabe auch nur halbwegs gewachsen sei, 
darüber kamen mir wie so oft in meinem Leben gar keine 
Zweifel. Jch fuhr also getrost nach Jlmathen, wo noch 
eine Menge Zeugen jener großen Periode lebten. So der 
Kanzler von Müller, Bertuch, der Rat Greuter und 
Schuchardt, die beide Goethes Sekretäre gewesen, u. a. Das 
kleine, armselige Städtchen, in welchem diese großen Geister 
alle gelebt, machte mir freilich durch seine Dürftigkeit den 
beklemmendsten Eindruck, bis ich die immerhin nicht uns 
bedeutende Zahl hochgebildeter Männer, die es noch jeHt 
enthielt, näher kennen lernte. Unter ihnen nahm Hofrat 
Schöll, der bekannte Archäologe und Schüler Otfried Müllers, 
durch seine geistreiche Frische den ersten Platz umsomehr 
ein, als er auch bei Hofe gewissermaßen ästhetisches Faks 
totum war. Die Vermischung der kleinlichsten Philisterei 
von heute mit den alten, ruhmvollen Traditionen rief freilich 
oft die komischsten Kontraste hervor, da jeder Weimaraner 
doch den Fremden gegenüber weihevoll austreten zu müssen 
glaubte. Besonders aber störte die seither glücklich beseitigte 
unendliche Kunstarmut der Kleinstadt. So konnte man das 
dürftige kleine Häuschen an der Esplanade, wo Schiller 
wohnte, nicht ohne Wehmut ansehen, nnd selbst das etwas 
bessere Goethesche Haus stimmte mit seiner ganzen kleinlichen 
Ausstattnng aber auch gar nicht zu der herrlich großen 
Persönlichkeit dessen, der es bewohnt hatte. Am aller: 
wenigsten die verzweislungsvolle Ode des Arbeitszimmers. 
Das wäre doch das billigste Verlangen, daß die Wohnung 
einigermaßen in Harmonie mit. dem wäre, der sie bewohnt, 
Fr. Pecht, Aus meiner Zeit. l. 18
        

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