Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus meiner Zeit
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-460602
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-462731
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Pl; 
VII 
1839s 
s11. 
Gescheidtes zu Tage gefördert worden wäre, obwohl er uns 
über die Behandlung der Komposition vortreffliche Dinge 
sagte, besonders uns vor allem Theatralischen und Absicht: 
lichen wie vor der Pest warnte, was wir aber sehr selten 
verstanden. Ich wenigstens habe das Meiste, was er uns 
ans dem Schatz seiner reichen Erfahrung mitteilte, erst viel 
später würdigen gelernt. 
Da das ewige Aktmalen mich bald lang1veilte, so fing 
ich nach einem Jahre an, ein Bild zu versuchen, d. h. zwei 
Modelle zu einem solchen zusammenzustellen, so daß ein 
blondes frommes Mädchen und ein schwarzes kokettes bei 
der Andacht in der Kirche einen malerischen Gegensatz zu 
bilden hatten. Merkwürdigerweise ward das är1nliche, aber 
ehrliche Machwerk von der Jury des Salons nicht nur nicht 
znrückgewiesen, sondern erhielt sogar einen besseren Platz 
als es zweifellos verdiente, was ich wahrscheinlich dem Ein: 
sluß des mir gewogenen Lehrers verdankte, der Jurymitglied 
und zwar ein sehr einflußreiches war. Natürlich bildete ich 
mir aufsdiesen ersten Erfolg nicht wenig ein und fing an, 
mir doch einiges Talent zuzutrauen. 
Unstreitig ist es ein großer Nachteil, wenn die ins 
tellektnelle Entwicklung der künstlerischen oder handwerklidhen 
zu sehr voransgeeilt ist, wo man dann über lauter großem 
Wollen das Können zu erwerben nur gar zu leicht vergißt. 
War das der Fehler der ganzen Cornelianischen Schule, so 
blieb er mir ebenso wenig erspart, der ich schon viel zu spät 
zur Malerei kam, die ein Dürer oder Holbein, genau wie 
Rafael oder Michel Angelo, gleich in der frühesten Jugend 
begonnen hatten. Die Frühreife ist überhaupt eines der 
sichersten Kennzeichen des Genius. Das sollte ich nunmehr
        

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