Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus meiner Zeit
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-460602
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-462701
Delacroix. 
Eugen 
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lichen, so daß ich den Mann nie mehr vergaß, dessen ganze 
Erscheinung in ihrer Verbindung von Feinheit und Feuer 
etwas durchaus Geniales hatte, obwohl er sich so anspruchs: 
los als möglich gab. Jch war daher kaum überrascht, als 
mir Etex sagte, daß dieses so auffallend feine MensGenbild 
Eugen Delacroix, das damals noch gar sehr beftrittene 
Haupt der romantischen Schule gewesen, denn daß das kein 
Sterblicher wie wir alle sein könne, davon überzeugte der 
erste Blick. Daß einen aber später von denen aller fran: 
zösischen Historienmaler fast nur mehr seine Werke inter: 
essieren würden, das ahnte ich damals noch nicht. 
Inzwischen trat ich nun in das Atelier Delaroches 
wirklich ein und fand mich da in einem unglaublich wüsten, 
von zwei großen Atelierfenstern beleuchteten Raum, unter 
einem halben Hundert oft noch sehr grüner Jungen, die da 
in vier Reihen dicht auf einander gedrängt siHend im Schweiße 
ihres Angesichts ein Modell abmalten oder zeichneten. Nach 
altem Herkommen empfingen sie den Neuling nichts weniger 
als verbindlich, sondern es begann sofort ein Kreuzfeuer 
von Witzen über ihn, und sein Zerrbild ward auf alle 
Staffeleien gezeichnet. Ich lachte über die WiHe und freute 
mich der Karikaturen. Das hatte zur Folge, daß die 
Neckereien sehr bald aufhörten, die bei anderen oft wochen: 
lang fortdauerten, wenn diese sich erhiHten, ja zur unbän: 
digften Quälerei des Neulings ausarteten, der dem alten 
Brauch zufolge erst geduckt werden mußte. Das Atelier 
Delarorhes hatte den Ruf, wie das größte auch das wil: 
defte zu sein und enthielt jedenfalls die begabteften, aber 
auch ausgelassensten Schüler von allen. Unter ihnen thaten 
sich besonders der nachmalige Schlachtenmaler Yvon, ein 
Ft. Pecht, Aus meiner Zeit. I. 12
        

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