Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Altes und Neues
Person:
Vischer, Friedrich Theodor von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-457963
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-458840
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uns aber die Bilderreihen zu einem Ganzen und das Ver: 
einzelte wird zum Allgemeinen, wird zum Genre; ein Ges 
mälde der modernen Gesellschaft mit ihren Reizen und dem 
Gifte darunter, eine süße Frucht, worin eine Wespe mit ge: 
fährlichem Stachel sitzt, lüstern und unheimlich, traulich nnd 
dnrchtrieben, glänzend nnd unterhöhlt, höchst appetitlich und 
mit einem Beigeschmack von pikaute1n Ekel hat sich vor uns 
zusammengesetzt. Gavarui zürnt diesem Zustande nicht, er 
ist kein Satyriker, dem der Unwille gegen die verdorbene 
Welt eine gesalzene Gerte in die Hand gibt; er ist kein 
Juvenal. Er schwimmt mit, er heult mit den Wölfen. Er 
ist boshaft mit Grazie, nicht boshaft in dem Sinne, wie 
der gerechte Zorn es sein kann, wenn er der verdorbenen 
Welt unverhofft nnd schonungslos ihre Blöße und Selbst: 
zerstörung aufdeckt. Nein, er ist boshaft mit den Boshaften, 
die er darstellt. Ein frivoles Lächeln zuckt fein um seine 
Mundwinkel, wenn er den Ehe1uann zeichnet, der seiner 
Frau den Korfetnestel löst und sich uaiv wundert, wo er 
heute morgen einen .Knoten gemacht hat, heute Abend eine 
Sdhleife zu finden. Warum hat auch der Schöps das schöne 
Weib genom1nen9  Die drei StutHer dort verdienen noch 
weniger Mitleid, sie fchweifen wie Möven an Deinem Kai 
von Paris; alle drei sind durch ein süßes Briefchen um 
dieselbe Zeit auf denselben Platz, von derselben Dame be: 
stellt, aber daneben ist das wahre Billet an den Vierten, 
.welcher der Hahn im Korbe ist, während die drei sich halb 
zu Tode warten, einfach und ohne weiteren Zusatz ab: 
gedruckt. Wohl bricht mitu11ter mächtig ein tragisches Gefühl 
des Siinden:, Elends: nnd Jannnerpfnhls durch; die Fnrie
        

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