Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Altes und Neues
Person:
Vischer, Friedrich Theodor von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-457963
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-460285
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daran 
muß 
nur so i11 
ihm gesteckt 
sciUs 
wie 
ein schon lockerer 
Kern 
in 
einer Nuß, 
oder, 
WcUU 
Malt 
ein anderes Bild 
will, 
er stand mit dem einen Fuß darin und hatte den andern 
haußen. So werden diese Erscheinungen zu Symbolen und 
sind doch poetisch lebendige, glaubhaste Wesen.  Jch habe 
zum Auftreten des Geistes Banquo7s zwei höchst merkwiir: 
dige Thatsachen als belehrende Belege beizubringen. Ein 
Raubmörder verhielt sich während seines ganzen Processes voll: 
ständig roh, zeigte von Reue keine Spur, beschwerte sich nur 
1nißmuthig über häufige lästige Gegenwart des Ge1nordeten 
in seinem Gefängniß, ganz wie1nan sich über einen zudring: 
lichen Gast ausläßt; noch der Geistliche, der ihn zur Hinric;: 
tung begleitete, vermochte sein rohes Gemüth nicht zu er: 
schüttern, nur beklagte sich der Verurtheilte auch unmittelbar 
vor dem letzten Gang über den geisterhaften Eindringling: 
,,Seheu Sie, dort beim Ofen steht er wieder.U Soweit 
auch der gemeine Raubmörder von dem heroischen Macbeth 
absteht, so ist dabei doch besonders interessant, daß beiden 
die Gewifsens:Erscheinung wie ein aufdringlichers lästiger 
Besuch erscheint, welchen Macbeth wegzuschelten versucht, 
endlich auch wirklich wegschilt. Damit ist er verloren; er 
hat in dem Gewissen die Mahnung zur Umkehr, zur Rettung 
seiner Seele 1oeggescholten.  Der andere Fall: bei einem 
Geistlichen erschien der Schultheiß seines Ortes, ein geachteter 
Mann, und eröffnete ihm in großer Anfechtung der Seele: 
am letzten Abend sei ein Kind mit blutender Wunde unten 
an seinem Bette gestanden, als er zu Ruhe gehen wollte. 
Er bekannte ihm eine wohl vor zwanzig Jahren begangene 
That: er war als Soldat bei der Erstiirmnng von Sens,
        

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