Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-454154
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melodischen Wellen getragen, doch einen großen Reiz 
haben. 
Aber eine andere Flamme stieg ruhig und siill, in 
ernster Majesiat zum Himmel auf; der Vesuv, der lange 
schwarz und schweigend dagelegen und dessen Wolkenkranz 
die Nacht verschlungen hatte, zeigte Ich seht in anderer, 
neuer Majestät und Schöne. Es war eine Mondnacht, der 
Mond aber noch eine halbe Stunde hinter dem Horizont. 
Jedoch ösTnete sich schon das noch halbgeschlosTene, schlaf: 
trunkene Auge des Himmels, um seine siille Nachtwache 
anzutreten. Noch wagte die keusche Luna nicht herVors 
zutauchen, fürchtcnd, daß der glühende Bruder noch nicht 
tief genug in Schlaf gesunken; aber schon war die Luft 
.hinter dem Berge in Osten dcimmrig goldschimmernd. 
Auf diesem matt erleuchteten Grunde, hob sich in seinen 
mächtig schönen Umrissen purpurncichtlich der ernste Berg. 
Wol schlief er einen eisernen Schlaf in dem Felsenkerker, 
der mächtige Titan, aber die Träume waren wacht Wie 
der Greis im Alter seine Jugend, der Verlassene seine 
Liebe, der Gefangene seine Freiheit, der Bes7egte seinen 
Ruhm und seine Siege träumt  so träumte auch der 
schlafende, gefangene Vergriese seine Götterjugend, seine 
Kraft und Freiheit; da schien sich seine Brust zu heben, 
durch die stille Nacht ertönten, wie ferne, kaum vernehms 
bar rollende Donner, hohl und schaurig, einzelne schlafs 
trunkene Worte und Seufzer und aus seinen geschlossenen 
Augen flammte dann jenes Heldens und Götterfeuer wie: 
der, das so oft vergeblich die Fesseln zu sprengen sich 
mühte.  Herrlich sah es aus, wenn so von Zeit zu 
Zeit aus dem schwarzen Berge plöHlich eine hohe Glut 
lautlos aufloderte, die sich hoch über den Aschenkegel ers
        

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