Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-454120
auf dem Meere. 
Fahrt 
35 
psangen. Es schwebte rings durch die weite Welt der 
ht3Ehfke Moment der Entzückungl Noch lange sah die 
Verlassene Braut sich um und wollte es nicht glauben, 
daß ihr stralender Freund He verlassen könnte auf dem 
Lager, der Liebe  aber nach und nach nahm sie endlich 
alle Rosen und Blüten, mit denen sie sich geschmückt 
hatte, aus ihrem schönen Haar, zerrupste sie und streute 
ihre Blätter in die Lüfte, die sie dem fliehenden Freunde 
nachtrugen. Dann schüttelte sie ihre dunkeln Locken, daß 
He nächtlich über den schönen stralenden Leib fielen nnd 
ihn verhüllten wie mit dunklem Trauerschleier. 
Der letzte Sonnenglanz, sein letztes Echo war aus 
der Welt verschwunden; die Berge lagen dunkel, aber duf: 
US da, nur hin und wieder irrte noch, kaum zu ahnen, 
der matte Abendschimmer auf ihren höchsten Spitzen hin, 
Wie Oft in Leid und Schmerz noch einzelne Erinnerungen 
früheren Glückes hängen bleiben und mühsam zu verlöschen 
sind, oder wie, wenn der Frühling längst vorüber, noch 
einzelne verlasTene Blüten an den Bäumen hängen, oder 
wie wenn von einem Flug wilder Tauben einzelne sich 
auf den Feldern und Bäumen verspätet haben und dann 
lange umher irrend den andern nachflattern, so hüpften 
diese Lichter von Berg zu Berg, bis auch endlich sie in der 
Abendglorie sich verloren. Nun war Alles dunkel, aber 
um so heller jetzt das Meer, das wirklich ein dunkel 
krystallener Pokal zu sein schien, gefüllt mit dem goldnen 
Wein des Abendroths, das an tausend Stellen hindurch 
funkelte und wunderbar sich mischte mit dem tief dunkeln 
Grün, bis es nach und nach auch immer matter nnd 
matter wurde und die Fläche wie die ewige Nacht ers 
sThieU, so daß die Nacht am Himmel Tag dagegen war. 
l
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.