Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-457498
372 
Rom. 
I 
Den 
15 
Mai 
l834. 
. . . . Gestern bin ich zurückgekommen von einer 
kleinen Campagnapartie, um Dir schreiben zu können. 
Die ganze schöne Frühlingszeit, die dieses Jahr während 
der letzten Hälfte Von dem herrlichsten Wetter begünstigt 
war, saß ich in Rom und arbeitete an ChIs Compoji: 
tionen. Alles flog hinaus, um vors der Hige noch einmal 
frischen Athen: in Gottes freier Natur zu schöpfen. Jetzt 
erhielt ich Euern Brief, der mich. einigermaßen sicher 
stellte, daß ich nicht sogar große Eile hätte, und da konnt7 
auch ich es mir.nicht länger versagen, zumal da ich mich 
fast schon krank gearbeitet hatte, Vor Mattigkeit kaum 
mehr aufstehen und nicht essen und schlafen konnte. Kaum 
hatt7 ich in der Morgenkiihle einige Miglien, freilich mit 
Beschwerde gemacht, so fühlt7 ich mich stärker und je 
länger ich ging, desto frischer. Ich konnte bald wieder 
essen und trinken, war froh und fähig zu Allem. Mit 
jedem Tage befand ich mich wohler, schlief des Nachts 
und war des Tages. frisch, munter und stark; kurz ich 
kehrte zurück als ein ganz anderer Mensch, so daß Alle, 
,die mir vorher sagten, ich sähe so blaß und angegriffen 
wie ein Todtkranker aus, jegt sich nicht genug verwuns 
dern können über meine schnelle Veränderung. 
Der Ort, wo ich immer hingehe, hat für mich noch 
den erhöhten Reiz, daß er außer Asher und dem Däs 
neu P., der mit uns zusammen wohnt, keinem Fremden 
bekannt, auf mehrere Miglien von allen nur einigermaßen 
größerntFahrstraßen ringsum entfernt ist nnd mitten in 
Wald und Felsen versteckt liegt. Denn je länger ich in 
Rom lebe, desto mehr fliehe ich die Fremden und meine 
kiinstlerisrhen Landsleute, einige wenige abgerechnet, die
        

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