Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-457381
Mittheilungen. 
Persön1ic;e 
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dazu böten, daß Ersterer mich nicht beschränkte nnd Leg: 
terer mich bei der ersten Vorarbeit, der innern, unsicht: 
baten, wenigstens nur mir sichtbaren Arbeit nicht über: 
eilteI Versprechen will ich dann, etwas Gutes, ja viel: 
leicht mit Gottes Hülfe etwas Ausgezeichnetes zu liefern. 
Bin ich einmal bei der Arbeit, dann arbeite ich gewiß 
so schnell als alle Andere. Das habe ich kürzlich Denen 
gezeigt, die mich immer treiben und langsam nennen; 
aber bis ich dazu komme, muß ich Zeit haben, denn uns 
möglich kann ich es übers Herz bringen, wie Andere Als 
les ungewaschen und ungeleckt niederzuzeichnen und der 
Welt zu übergeben. Das scheint mir ein Frevel an der 
geweihten Kunst, eine Beleidigung gegen das Publikum 
und mich selbst. Auch ich könnte so schnell arbeiten, auch 
mir kommen im Moment Ideen, die ich niederzeichne, 
aber nur zu meinem Anhalt, oft ganz unkenntlich 
einem Andern. Dann trag7 ich diese Ideen Tage und 
Nächte lang überall mit mir herum und arbeite stets 
daran. Bei Kunst und Natur wird verglichen, an schö: 
neu Kunstwerken versuch7 ich wie am .Probirstein, ob 
meine Gedanken echt und wie ähnliche Gedanken ausges 
sprochen sind. Die Natur, das Leben in seiner reizen: 
den Mannichfaltigkeit bietet mir ergreifende Töne, mich 
mit deren Hülfe auszudrücken. So gestaltet mein Ges 
danke sich immer klarer und ausgebildeter. Dann such 
ich, wie in Form und Farbe fich die Natur bei einer 
analogen Idee ausgesprochen, und wie es möglich ist, 
dieselbe Form und Farbe auf die Kunst zu übertragen 
und auf das schönste wiederzugeben; vergleiche, wie die 
alten heiligen Väter der Kunst dieses Geheimniß gelöset, 
horch in tiefster Andacht ihren Lehren und laß mich von 
Spcckter, Italien. II. H;
        

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