Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-456570
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Rom. 
weiter war es, als das Glühen des dunkeln Meeresl 
Ein Nuderschlag weckt tausend und abertausend farbefun: 
kelnde Wellen, in denen Sonne und Himmel unzählige 
Mal sich spiegeln, aber bald ist Alles todt und still und 
zeigt uns nur in seiner dunkeln Umgebung unser düsieres 
Bild. Jrrlichter waren es, die,mit verführerischem Tanz 
dem Müden Wanderer ein hellerleuchtetes Hochzeitsschloß 
schienen, der, nach Freude sich sehnend, auch Theil neh: 
men wollte an der Lust. Tanzend fort und fort und 
winkend so hold und treu lockten sie ihn weiter und weiter 
bis tief in den Sumpf, wo sie dann alle verloschen und 
er ganz allein sich fand und Verlassen. Der Wanderer 
war ich, denn nun begann die sumpsige Faftenzeit. 
Nach der Fasienzeit kam Ostern, wo ich A. zu allen 
Herrlichkeiten führte, der sie aber eher satt hatte, als ich, 
denn ich kann sie nie genug sehen. Vor Allem reizt 
mich immer die Musik, die denn auch dieses Jahr wie: 
der ihre ganze Zauberkraft an mir ausiibte. Diese Mu: 
sit, bei diesen Decken Michel Angelois, ist wirklich etwas 
so Erhebendes, daß mir kein Gefühl mehr für diese Erde 
bleibt und ich weit über sie hinaus entschwebe. Ich weiß 
nicht, ob die Gestalten, im Dämmerlicht verschwimmend, 
zu Tönen werden, oder diese Töne in der Höhe sich ge: 
stalten zu jenen Propheten, jenen klagenden und trösten: 
den Engeln, Seligen und Verdammtenl Aber so viel 
fühle ich, Beide sind Schöpfungen, die dieser armen 
Prosa des gesellschaftlichen Lebens, die sich hier unten 
bewegt, nicht angehören, sie sind die wahre Welt der 
Poesie, eine Welt, die in höhern Regionen über uns 
schwebt, zwischen jener ewig dunkeln Nacht einer geheim: 
nißvollen, bessern Welt und jener gar zu klaren Nacktheit
        

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