Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-456562
Carneval. 
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sein an den vielen holden Busen, den schönen Lippen, 
Augen und den krausen Locken. 
Doch wie der holde Zauber auf einen Schlag ent: 
standen, so verschwindet er auch wieder. Dunkel bricht 
herein, das nach und nach immer weiter um sich greift 
und auch noch die einzelnen verirrten Flämmchen aus: 
löscht, bis endlich völlige Nacht ist. Anfänglich dauert 
das verworrene Getöse noch fort und vom Himmel glaubt 
man plötzlich in die tiefste, schwärzeste Region gekommen 
zu sein, bis mit dem wachsenden Dunkel auch die Stille 
eintritt und endlich Alles lautlos durch die finstern Strai 
ßen zu Hause schleicht, wem nicht ein holdes Licht an: 
derswohin zu Freude und Lust geleuthtet hat, wo er viel: 
leicht noch die holden Träume einer Zauberwelt forttcins 
delt, bis ihn der Morgen, die Afchermittwoche weckt. 
Ich ging zu Hause, ganz erschöpft und abgcspannt, 
ich hatte mich so ausgetobt, daß mir nach dieser Lust, 
nach diesen unschuldigen Tollheiten auch nichts weiter 
übrigblieb. Wie nach der funkelnden Helle die Nacht 
um so finsterer schien, so kam mir das Leben nun um 
so ernster und düsterer vor. Auch der Himmel war be: 
trübt, daß auf Erden reine Lust so kurze Zeit nur währt, 
denn mit den holden Lichtern und Geschöpfen hier unten 
waren auch seine Sterne verschwunden. Es trciufelte ein 
warmer Regen herab und wie Kinder, deren Lust stets 
zu früh zu Ende, schienen die Sterne zu weinen. Ich 
glaubte entrückt zu sein diesem dunkeln, trüben Leben, 
versetzt in eine Feenwelt, wo Sterne wie Blumen erblü: 
hen und schöne Mädchen und Weiber funkeln und glühen 
wie Sterne Und Blumen; gefangen waren meine Sinne 
in diesem goldfunkelnden Jrrgarten.  Aber ach, nichts
        

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