Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-456543
Carneval. 
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gut vertheidigt werden. Man klettert in und auf die 
Wagen; kurz es ist. eine förmliche Schlacht, wobei es 
tüchtige Stöße und Püffe gibt und Mancher kopfüber 
von einem Wagen herunter stürzt. Die Röcke und Hüte 
werden mit Wachs bespriizt, die Taschentücher zerrissen. 
Aber wer würde das achten, da so manche schöne Be: 
rührungen, so manches freundlich erschrockene Hiilfcge: 
schrei, so mancher liebenswürdige Zorn, so manche an: 
muthige Vertheidigung, so mancher zärtlich bittende Blick, 
so mancher schöne Stolz, so manches reizende Schan1ers 
rothen alle diese Wunden mit dem siißesten Balsam heHt. 
Da sind die jungfrciulichsien, sittsamsien Mädchen, die 
mit ihren schönen Händen und Armen Einen fest an 
Hals und Brust packen und entweder von sich stoßen 
oder auch fest an sich driiXen, um das Taschentuch zu 
entwinden und zu sehen, wer der Kühne sei. Die Kins 
derchen fallen, wenn dies schöne Mutter Jemanden so 
hält, rasend über ihn her nnd entreißen ihm mit Jubel: 
geschrei das Taschentuch; dabei sieht man die Mutter an 
und diese lacht verlegen und freundlich, gleichsam um dem 
BeHegten seine Niederlage zu versüßen. So hatten A. 
und ich schon mehrere Tage lang einen Wagen mit drei 
schönen Mädchen, wol von is bis t8 Jahren, einem 
kleinen Kinde und einer alten Dame verfolgt und uns 
sere Blumenbegriißung mit kindlich naiver Lust aufgenoms 
men gesehen; jeht sah ich den Wagen des Gedrcinges 
wegen halten, sprang hinauf auf den Tritt und löschte 
VZweien mit einem Schlag die Lichter aus, als alle über 
mich herfTelen und niederriFen, so daß ich förmlich in 
ihrem Schoos lag und aus meinem Taschentuch ein gros 
ßes Stück einbüßte. Aber wie gern hätte ich zehn Taschen:
        

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