Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-456302
vAn 
de 
Chateauneuf. 
253 
chel Angelo7schen jüngsten Gerichts, einfach, wahr und 
leuchtend in der Farbe, aber mit sehr tiefen, etwas brau: 
nen Schatten, stark und kräftig modellirt. 
Unbegreiflieh ist mir, daß Rafael die Sachen nicht 
kannte, da sowol in Arabesken, als in den Bildern die 
Art zu zeichnen und zu bewegen, dann hie nnd da auch 
die Köpfe, sogar der Kopfpui;, Zeichnung, Färbung und 
oft die Gewänder ganz an ihn erinnern und man glaus 
bcn möchte, Aehnliches schon einst von ihm gesehen zu 
haben. Ich habe eine Menge von den Bilderchen, sowol 
ernste wie komische, gezeichnet Cfreilich nur fliichtigJ. 
Sollte es Sie freuen, einige davon zu besigen, so werde 
ich Ihnen, wenn sieh einmal eine Gelegenheit dazu dar: 
bietet, eine Auswahl schicken.  So freute mich besons 
ders eine ganze Folge einzelner, auf einem Thyrsus 
tanzender, n1usicirender Faunen, die auf schwarzem Grunde, 
iilhouettenartig, nur mit zwei Farben, roth oder grün, 
gemalt sind, aber reich, vollendet und schön in dem fein 
gezeichneten Contour. Womit nun die Alten gemalt has 
ben, das habe ich sowol in Ponipeji als in Neapel viel: 
fiiltig heraus zu finden gesucht, aber vergeblich; jedoch 
die Farben, die man in Pompeji in Töpfen vorräthig 
findet, scheinen bloße einfache Wassers oder Frescofarben 
gewesen zu sein; demnach war doch wol das Bindemittel 
in der Wand oder in dem Material, mit dem man die 
Farben auflöste und verseHte, und würde gewiß noch durch 
eine genaue und sorgfältige Nachforschung ein erfreuliches 
Resultat zu erlangen sein. Uebrigens bin ich darin Ihrer 
Meinung, daß die meisten Sachen nur Nachbildungen 
früherer sind, denn die vielen Spuren von Barockem 
zeugen schon so sehr von einem Verderbten Geschmack,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.