Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-456159
238 
Neapel. 
Geschlecht aus Inseln und Klippenschlössern bis an den 
nebelnden Horizont hervorwogen. Ein großer Fesisaal 
war das Meer, darüber ausgespannt der Himmel als 
azurnes Zelt, auch von schönen, edlen Geistern wims 
melnd. Wie sangen sie so süß, die Nereiden, wie kichers 
ten sie mcidchenhaft, gleich plcitscherndem .Wogengeflüster, 
und wie brüllten sie jauchzend und tobend darein, die 
wilden Tritonen, auf gewundenen Muscheln brausende 
Melodien über die weite Fläche blasend und im Triumph 
das ganze edle Geschlecht so vieler Helden und Sänger, 
so edler Männer und Frauen mit sich führend, alle ents 
sprossen aus wellender Umarmung. Die silberfüßige 
Thetis voran, stolz auf den Sohn mit den unnahbaren 
Händen, den Unbesieglichen Achilles, an dessen Brust sie 
geschmiegt, und alle folgten sie so, die göttlich edle Ges 
sellschaft, und Apollo selbst spielte auf der Stralenleier 
die Fesimelodien dazu. In seiner Glorie schwebten als 
weiße, goldgesäumte Abendwölkchen zärtliche Amoretten 
einher, die ihre flammenden Pfeile zum Tacte seiner Mes 
lodie rings über die Welt und unter die grüne Flut hins 
schossen. 
Endlich als in die Flut die Sonne tauchte, da brachte 
ich noch die legten, höchsten Gesundheiten laut aus und 
forderte die scheidcnde Sonne aus, sie mit uns zu trinken; 
da trank sie langsam aus dem dunkelgrünen Kelch, mit gold: 
flutender Glorie gefüllt.  Nun war mein Fest beendet, 
das Meer dunkel, die goldene Glorie ausgeleert und unser 
Wein getrunken. 
In der Grotte brannte ein Licht, das noch lange 
über die,dunkle Fläche nach uns seine zitternden Arme 
ausstreekte. Endlich erglühte in mehreren tausend elektris
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.