Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453887
MenschensthIAgs 
Der 
II 
nackend üben und brauchen. In der Umgegend von Neas 
pel sieht man Hschönere Leute, aber auch nur Männer, 
Jünglinge und Kinder  Kinder so reizend, daß ich oft 
in der größten Eile diese und Alles vergessen und wie 
von einem rafaelischen Madonnenbilde, oder einem plöi;,: 
Eichen Zauber und Wunder gebannt, minutenlang gestan: 
den, ja oft darüber Zank nnd Streit bekommen habe, 
einmal sOgar nicht eher aus meinem unroillkürlichen Ent: 
zücken aufwachte, als bis man mit Steinen nach mir 
warf; denn das Volk meint hier gleich, man wolle dem 
Kinde etwas anthun, oder mache sich lustig über sie 
oder das Kind. Oft schreien die Kinder auch UND so 
gibt es immer Mordsvectakel. 
Die Farbe der Männer und der Marinari, nament: 
lich ihrer schön geformten Beine, ist eigentlich das Ein: 
zige, was mich am Menschenschlag in Neapel interessirt 
hat, denn diese gesättigte, glühende, röthlich braune Fleischs 
farbe auf dem dunkel krystallklaren, grünblauen Meeress 
grunde, von der Sonne beschienen, zu sehen, das ist ein 
Reiz, von dem ich nur in Venedig nnd vor venetianischen 
Bildern einen Vorschmack empfand. An Gruppen könnte 
Neapel eine viel reichere Ausbeute gewähren als Rom, 
denn man sieht unendlich viel mehr und zwar die aller: 
originellsten Bewegungen und Situationen. Jedoch, so 
sehr mich dieser Blick in das Leben entziickte, so machte 
er mir eigentlich Neapel doch fast zum Ekel. Eben weil in 
Rom die Menschen größtentheils so4adelig schön gebaut 
.und reinlich und einfach gekleidet sind, schöne ausdrucks: 
volle Gesichter und mit Einem Wort die Gestalten StV1 
haben, so macht sieh die unbedeutendsie Gruppe imPVUTs 
rend und schön. Hier dagegen sind hcinßg die Gestalten
        

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