Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453851
Yceape1. 
Mädchen auf osfener Straße gekämmt nnd angepuk,t, und 
bei offenen Thüren steigt man aus dem Bette. Da nimmt 
ein Schusier, dort ein Schneider das Maß; hier steht 
ein Pfaffe und spricht Weibern ins Gewissen, dort wird 
ins Lotto gesetzt; hier werden gar auf öffentlicher Straße 
Liebe8briefe dictirt, dort Eigarrenstümpfchen von der Straße 
aufgesaminelt und wieder verkauft. Dann kommt wieder 
Einer, der sich vom Ungeziefer zu befreien sucht nnd das 
neben gehen ganz gepuhte Damen vorbei; dann laufen 
die Makler mit ihren Glocken herum und klingeln und 
schreien Auctionen aus; dann verfolgen sich welche und 
kaufen sich und schlagen sich Löcher in den Kopf Cdas 
habe ich elf Mal gesehenI; dann kommt eine Non: 
nenprozession, die durch allen diesen Lärm durch, sehr 
schöne Litaneien singend, zu den Hiiusern, wo Kranke 
End, zieht; ihnen folgt ein von vier Kerlen getragcner 
Altar, prächtig verziert, auf dem der Kopf einer sterbens 
den Madonna sich befindet.  Eine Secundc zieht das 
Volk die Mützen ab und ist andcichtig, lärmt aber dann 
gleich weiter. Nun kommen noch Bauern und Baues 
rinnen, die, zu Esel oder Pferde oder nebenher gehend, 
alle Arten von Ge1nüse zur Stadt bringen; man sieht 
sogar berittene Wcischerinnen. Es ist ein Chaos von allen 
nur möglichen menschlichen Beschciftigungen und Bedürf: 
nissen, die durch die profane Art, wie sie der Oeffents 
lichkeit preisgegeben End, fast eine Caricatur, eine Sag 
tyre auf das Leben und sein geschästiges Thun und Trei: 
ben scheinen.  Mir wenigstens schien es so; ich konnt, 
es nie anders nehmen, als eine Maskerade, wie den 
römischen Corso im Carneval; wie dieser von Menschen 
angefüllt ist vor seiner eigentlichen, rechtmäßigen Eröff:
        

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