Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453833
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Neapel. 
wöhulich das ganze Vorderrevier einnehmen, die meisien 
Verkäufer auch in den Thüren sich aussiellen und die Vor: 
übergehenden zum Kaufen einladen; nicht so laut wie die 
AUsschreier, aber doch ziemlich so. Nun kommt erst die 
Masse der Menschen, die nicht verkaufen, sondern zum 
Kaufen da sind, und die also doch wol noch zahlreicher 
sein muß als die der Ersiern. Da wandeln denn hoch aus: 
gepuHte Damen daher, StnHer, Herren, Offiziere, Fremde 
im Reisecosiüm, Matrosen, Schisfscapitaine, Englcinder, 
Franzosen, Jtaliener, Deutsche; Mönche und Pfaffen 
aller Art; Lumpenkerle mit einem Esel oder Pferd, über 
dem ein korbartig geflochtener Quersack liegt, in dem sie 
den Mist aufsammeln und dieses auch ausschreien; dann 
Bettler und Bettelweiber, mit halb naXten, oft ganz nacks 
ten Kindern, die Einen oft in gräßlichen Tönen, oft nur 
mit Pantominen, aber immer auf die nnverschämtesie 
Weise, anbetteln. Dann sieht man wieder mitten unter 
dem Gewoge halbnackte, schlafende Bettler, Krüppel und 
Kranke, spielende Kinder, nackte und bekleidete, säugende 
und wiegende Mütter, Gesindel in kleinen und größern 
Gruppen, von schrecklichem Aussehen; Soldaten aller Uni: 
formen und Ranges, eine unzählige Menge iTagediebe, 
die mit Sonnenaufgang ihr schwieriges Geschäft anfangen 
und Abends es doch unvollendet gelassen haben. Dann 
Gendarmen und Polizei und, wie schon erwähnt, Fremde 
aller Nationen zu Pferde zu Wagen und zu Fuß, Englcin: 
derinnen hoch zu Roß, mit fliegenden langen Gewändern 
nnd Mohren hinter sich. Dann ein naXthalßger Alt: 
deutscher, die Brille auf der Nase und mit fliegenden 
goldnen Locken, in denen seine ganze Freiheitsliebe und, 
wie beim Simson, auch die Kraft Jst. Dann kommen
        

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