Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-453311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-454811
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Neapel. 
und Herculanum gefunden; endlich von letzter Stadt auch 
eine kleine Statue der Diana, ganz im altgriechischen, 
sogenannten etruskischen Styl, in einem langen Gewand 
mit höchst einfachen und bestimmten Falten, und wie das 
Gewand so das Ganze. Endlich die VenuS Kallipyge, 
eine lebensgroße Figur, die man dem Prariteles zuschreibt 
und die schön genug ist, um von ihm sein zu können; nur 
würde er He wol schwerlich je eine Venus genannt haben, 
denn davon ist auch keine Spur darin, außer, daß sie 
so schön, wie die schönste Venus ist und man schöner sich 
wol keine denken kann. 
Ich vermag es nicht, sie in ihrer Glorie zu schildern, 
und schweige daher lieber davon, um nicht zu langweilen; 
nur laßt mich sagen: Denkt Euch hier alles Schöne und 
Vollendete, was ich von den andern gesagt, zusammen 
in der höchsten Potenz, Blüte und Fülle, aber so, daß 
es harmonisch mit dieser liebenswürdigen Individualität 
zusa1nmensiimmt; diese ist die eines körperlich und geistig 
gesunden, reifen und unbefangenen Mädchens. Am besten, 
glaube ich, wird He charakterisirt, wenn ich Euch die 
Stellung beschreibe und dabei die Sage von der Entstes 
hUng dieser Statue Cse non vero E bet1 trovat0J erzcihle. 
Als nämlich ein Künstler ssei es Praxitele8 oder Phidias, 
der Anekdote ist jeder recht; seine berühmte Venus aus: 
gestellt hatte und alle Welt sie anzustaunen, zu bewun: 
dern kam, kam auch ein Haufen junger Mädchen, alle 
recht schöne, verständige, aufgeschlossene Verehrerinnen der 
hohen Göttin, ganz empfänglich für deren süße Zauber: 
lehre und begierig, von ihrer Schönheit entzündet, ihrem 
Dienste sich zu weihen. Während diese Mädchen nun die 
einzelnen Schönheiten der Venus bewundern und eine
        

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