Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-447915
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-452936
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Rom 
Von 
nach 
Neapel. 
wecken mußte. Sie standen auf, riefen den Kutscher und 
fuhren mit mir fort. 
Nun ging es durch die Stadt, hinaus und hinein in 
die beriichtigten, berühmten pontinischen Siimpfe. Das 
Wetter war äußerst günstig, denn trübe, melancholische 
Wolken umschleierten den Himmel und ließen nur von 
Zeit zu Zeit die Sonne wie ein schönes Auge aus duns 
keln Wimpern blicken. Itb habe immer solch Wetter 
lieber, als einen stets sonnenhellen, heitern Himmel; so 
schön derselbe ist, so scheint es mir mehr die Feiertags: 
Miene des Himmels. Ich wage nicht näher zu treten 
und es mir bequem zu machen, ich fühle mich ihrer so 
unwerth, als wie der ewigen Seligkeit, weshalb auch 
Beides gleich fremd vor mir dasteht; nie werde ich heimisch 
darin werden. Im Fegefeuer schon eher, das mir auch 
interesTanter vorkommt, eben wie ein solch wechselndes 
Wetter, wo Sonnenschein und Regen, heitrer und dunkler 
Himmel sich ablösen, um sich gleichsam vorzubereiten zur 
Sabbathsseier. Wie auch eine Schöne, die ich immer 
freundlich sehe, mir kalt erscheint, da ich, voll Schmerz 
und Trauer, unmöglich denken kann, daß ihr noch nie 
des Lebens Nacht sich aufgethan. Lieber belausche ich 
eine Schöne im Bad und Neglige,e, als daß ich sie im: 
mer im höchsten Putz, alle Reize hervorhebend und alle 
Mängel verdeckend sehe. Gerade diese Mängel, diese Nach: 
lässigkeiten sind oft so reizend in ihrer Art. An dieser 
BlcisTe des Gesichts, an dieser ungezwungenen Haltung, 
an diesem ungeordneten Haar, da hängen meine Blicke 
gern; ich suche mir die Schönheiten heraus oder erzeuge 
die zu einer Schönheit noch fehlenden Reize in meiner 
Phantasie. Aber wird uns Alles so fertig entgegenge:
        

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