Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-447915
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-452658
c.IUUIs 
schuld und fängt eine Biene oder eine schwirrendeLibelle. 
Nur die Nachtigall klagt und seufzt, und gewiß zu ihren 
Tönen wäre dieser Wald die herrlichsie Bühne, um die 
Liebe zwischen Diana und Endymion oder den Tod des 
Adonis auszuführen. Doch dazu ist die Gegend zu feier: 
lich ernst. 
Ich kletterte die Stufen hinauf, theils außerhalb, wo 
sie etwas bröckelig sind, theils ging ich immer die in den 
Felsen gehauenen dunkeln Gänge hinauf zu dem Walde, 
wo ich auf der andern Hälfte durch hellgrüne, leicht bes 
laubte, junge Lorberbäume hindurch die weite, bläulich: 
grüne, träumende Ferne und meinen geliebten Sorracte 
sah. Ich jauchzte fast, als ich ihn wieder sah. Durch 
diesen Wald, der oben aus lauter Alleen besteht, gingen 
wir auch wieder zurück. Auf der andern Seite sahen 
wir, tief in den Felsen hineingehauen, eine uralte christ: 
liche Kirche noch, die, wie sie sagen, einst ein Tempel 
war, was ich aber ihrer gcinzlichen Schmucklosigkeit und 
Roheit, wie auch ihrer durchaus nicht tempelartigen Con: 
struction wegen bezweifle. Unbestritten aber ward sie sehr 
früh schon eine christliche Kirche, das beweisen die vers 
loschenen Spuren alter Malereien unmittelbar an der 
Felswand, die ältesten, die ich sah. Von hier kehrten 
wir wieder nach der Stadt zurück und zwar denselben 
Weg, den wir gekommen waren. Der Himmel Fug an 
sich zu theilen, hin und wieder trat ein duftiges Blau 
hervor, feucht und matt; gleich einem schönen Auge nach 
durchschwcirmter Nacht glänzte die Sonne in den Regen: 
tropsen auf Blättern und Blüten, und die fernen Berge, 
obgleich farblos und ganz grausilbern und auch wieder so 
hell, daß man He kaum von der Luft unterscheiden konnte,
        

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