Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-447915
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-451934
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Rom. 
mächtiger Platanen und Kaskanien. Auf der letzten Hälfte 
dieses Weges sieht man den Albanersee öfters und fährt 
zuletzt, den See immer zur Seite unter sich, in Castell 
Gandolfo ein. Wir entschlossen uns zu Fuß nach Als 
band zu gehen. Es war ein schöner Abend, die Sonne 
schon so tief, daß der See fast ganz im Schatten lag, 
hingegen seine Ufer an der einen Seite goldroth glänzten, 
an der andern Seite aber im violetten Nachtschleier von 
ernsten Träumen vergangener Zeit bewegt schienen. Der 
hohe Monte CaVo sah über Alles weg und die zittern: 
den, wechselnden, buntspiegelnden Wellen des Sees schienen 
das aufgeschlagene Buch der Erinnerung zu sein, worin der 
alte Held die tausend lebendigen bunten Bilder seiner 
Jugend erblickte. Lächelnd umzog das Abendroth seine 
Lippen, röthete die dunkeln Falten seiner Stirn und 
sanft erwärmend glühte noch einmal das Feuer seiner 
Jugend auf. Wir stiegen hinab zu dem Spiegel des 
Sees, um ein Riesenwerk der alten Römer, noch aus 
der Zeit der Könige, spätestens der .Nepublik, zu sehen. 
Es wollte nämlich einmal der See austreten, oder man 
fürchtete es, weil er immer höher schwoll; da grub man, 
um ihn abzuleiten, durch das Herz der Berge einen Ka: 
nal von einigen Miglien Länge, den Emissario. Auf 
dem Weg zu diesem sahen wir noch eine Grotte der Diana, 
wahrscheinlich ein altes Bad, denn nur zu gut wußten 
die Alten sich Alles, was zum Leben gehört, auf die 
reizendste Art einzurichten. Dieses Bad ist eine tiefe 
Felsenhöhle, von der Natur gebildet und von der Kunst 
vollendet; es sind besondere Nischen für Heizung des war, 
wen Wassers, SiHe, Nifchen zum Bade u. s. w. hin, 
eingehauen, aber vorn ist die ganze Höhle offen und
        

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