Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-447915
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-451298
Mk 
I 
Andere hinauseilen, um mit einzureißen und neu zu er: 
bauen, und alles Dieses schärft den Stachel des becingsiigens 
den Gefühls.  Die Zeit hat wirklich für mich ein ganz 
neues Interesse gewonnen, nicht blos in moralischer Hin: 
ficht, indem ich sehe, daß die Völker wieder anfangen 
ihr geheiligtes Recht zu fordern und in ihren höllischen 
Laboratorien Vor ihrem selbst gebrauten Gift des Unrechts 
die mächtigen Volksunterdrücker erbeben, sondern auch in 
künstlerischer, indem ich fast keine Zeit so reich an Stofs 
fen zu Ausbildung und Bearbeitung aller Art finde, so: 
wol ihren großen, als ihren einzelnen, kleinen Erschei: 
nungen und Verhältnissen nach: Tragödien, Heldengedichte, 
Romanzen und Romane, Bußpredigten und Novellen, 
Lieder und Mcirsche, sehe ich dicht gedrängt umherirren 
und einen Autor suchen, und um der Sache ein pompö: 
seres Ansehen zu geben, durchweht das Ganze die vernich: 
tende Cholera, die die Leute auslegen können, wie sie wol: 
len, als Nemesis oder Strafruthe JehovaIs; doch möchte. 
sie für unsere Zeit die segensreichsten Früchte tragen, da 
sie dem Menschen, der eines Gottes ewige Gegenwart im 
sanften Säuseln nicht mehr erkennen wollte, diese im 
flammenden Zornwetter beweist. 
Obgleich bis zum Zuschließen fertig, mußte der Brief 
abermals unverschlossen liegen bleiben, bis das Fieber 
mich verlassen und ich den Krankenwärter bei Andern 
gespielt hatte, denn schonungslos gingen die Krankheiten 
diesen Sommer hier um. Fast alle Deutschen wurden 
heimgesucht und viele waren den ganzen Sommer ihre 
Gefangenen. Vom gepriesenen Paradieswetter hat man 
in diesem Sommer wenig gemerkt. Wir können Gott dan: 
fen, daß Overbeck nicht hier war, der hätte ihn schwerlich
        

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