Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien
Person:
Speckter, Erwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-447915
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-450846
Und 
Römischer 
deutscher 
Frühling 
2l5 
bis jetzt keinen, und ich glaube nur wenige Tage 18..t9 
Grad Wärme, aufzuweisen hatten. Wir haben hier seit 
den legten drei bis Vier Wochen für Rom fast immer 
schlechtes Wetter, selten heitere erquickende Tage; es ist 
entweder rauh und windig, oder wir haben Regen und 
den vernichtenden Sirocco, den heißen giftigen Südwind, 
der aus Afrikas Wüsten herüberzieht, mit seinem Hauth 
das Meer kocht und diese warmen kochenden Dünste mit 
sich bringt. Da ist den ganzen Tag der Himmel und 
die Ferne wie mit einem matten Silberduft:Schleier 
verhüllt und in dieser ebenen Fläche sieht die Sonne so 
matt und bleich wie der nächtliche cMond. Der Wind 
zieht versengend bis ins Mark der Knochen, durch Leib und 
Seele durch, so daß, wenn man ein paar Schritte geht, 
der Schweiß ausbricht und man vor Mattigkeit und 
Schlasfheit fast einer Ohnmacht nahe ist; dabei ist die 
Seele immer trübe, freud: und leblos. Sind freilich 
schöne Tage, so sind sie auch so schön, wie Ihr sie nicht 
kennt.  Doch habe ich eben Italien geschn1ciht, um 
Euch zu trösten, da ich Euch Armen noch im freudlosen 
WkMSV glaubte, so muß ich seht, da Ihr so glücklich seid, 
Italien auch wieder retten und Gerechtigkeit widerfahren 
lassen. Ich schrieb Euch, einen schönen Frühling gebe es 
hier nicht, auch keine Nachtigallen und die Orangen wären 
schon verblüht. Doch da habe ich gelogen; freilich, das 
eigentlich Liebliche des Frühlings, das allmcilige Werden 
und Entfa1ten merkt man hier nicht so. Winter gab es 
nicht und also eigentlich auch keinen Uebergang, sondern 
es war ein allmälig schöner sich bildender Sommer, der 
UUU DE ists Zwar haben die Orangen schon lange, lange 
gebkÜhk, Wie hier Alles eigentlich immer blüht und Früchte
        

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